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DEN BLOCK INS LOCH FÜHREN

Zu Weihnachten redet der Stier.

Ein Bauer hatte sich in die Barn versteckt, um ihn reden zu hören. Als es zwölf Uhr schlug, sprach der Stier: Dös Bloch ins Loch! Wir führen ihn in drei Tagen ins Loch. Nach zwei Tagen war der Bauer tot. Und den dritten Tag fuhr ihn der Stier zu Grabe. Damals wurden die Toten noch mit Vieh geführt. Der Stier wird es nicht gesagt haben, sondern ein unsichtbares Wesen zur Strafe, weil der Bauer so wunderle war.

Ta is' a Paua' g'wein, tea' hat an Knecht g'hapt, tea hat Hans'1 g'haaß'n. Tea' is' recht prav und trai g'wein.

In ta' Kristnacht geht a' um a Halwa zwölfi in Stall, ziagt si' aus unt hat si' nieda'g'leigt.

Sou sagt aan Ouks zan anda'n: Mia' hab'm a traurichi Nachricht, wal unsa' Hea' maaring steab'm wia't. Ea' wia't maaring z' Mittach a Kraut eiss'n unt ta wia't a Paand'1 tapai sain. Tei plaipt eam steicka' in Hals, unt ea' muiß ta'sticka'. Mia' maiß'n an nacha außifia'n in Fraithouf.

Tas wia't fraili' a schwari Last sain fia' uns, sagt ta' zwaiti Ouks.

Wia s' in zwait'n Tach eiss'n, hat si' ta' Paua' - 's Flaisch g'schnitt'n unt hat si' 's Kraut außa' g'faßt.

Wiar a' ti ea'schti Gap'l vull isst, haut s'eam ta' Hans'1 awi in Tella'.

Ta' Paua' schaut in Hans'l graßmechti' aun. Ea' graift um ti zwaiti Gap'l vull, haut's eam ta' Hans'l nou' amal awi.

Sagt ta' Hea': Was machst teinn tu mit mia'?

's trittimal haut a' eam 's nou' amal awi.

Sagt ta' Paua': Hans'l, i' haw' ti allwal gea'n g'hapt, awa' hiatz is' tain Zait aus, kannst gain.

Hiatz hat ein ta' Hans'l tei G'schicht ta'zöllt, was a' va' t' Ouks'n g'hea't hat.

Sei suichia' s' Kraut glai' tua'ch, hab'm s' teis spitzichi Pand'l a' richti' g'fund'n in Kraut.

Ta' Paua' hat si' g'frait iwa' tas, hat in Hans'l fia' sain aichanas Kint g'halt'n unt hat'n ausg'hairat't.


Anmerkung: Barn: Kuhrippe
wunderle: neugierig

Quelle: I: Rehsener, Zeitschrift des Vereins für Volkskunde 10, 1900, 50. II: J. R. Bünker, Niederösterreich. Schwänke...: Zeitschrift für österreichische Volkskunde 4, 1898, 243 f.
Aus Will-Erich Peuckert, Ostalpensagen, Berlin 1963, Nr. 9, Seite 14f.