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Die deutsche und die windische Kirche auf dem Dobratsch

Am Rande des Dobratschabsturzes erheben sich zwei Kirchen; die höher gelegene ist die sogenannte deutsche, die andere die windische Kirche. Von der deutschen Kirche erzählt die Sage, daß dort im Jahre 1690 Hirten eine von strahlendem Lichte umflossene weiße Frau auf einem Steine sitzen gesehen haben. Die damalige Besitzerin von Wasserleonburg gelobte, an demselben Orte eine Kapelle bauen zu lassen, wenn ihrem kranken Söhnlein geholfen würde. Er genas. Da jedoch jene Stelle im Villacher Gerichte lag und dieses den Bau nicht bewilligte, so erfüllte sie ihr Gelübde auf eigenem Grund und Boden dort, wo wir jetzt die windische Kirche sehen. Aufgemuntert durch ihr Beispiel, gaben fromme Hände bald darauf der deutschen an der eigentlichen Stelle jener sonderbaren Erscheinung ihr Dasein, und so kommt es, daß in so ansehnlicher Höhe zwei Kirchen so nahe beieinander stehen.

Quelle: Georg Graber, Sagen aus Kärnten, Graz 1941.
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Harald Hartmann, Februar 2006.
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