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VOM MAGDALENSBERG UND DER STADT SALA AM ZOLLFELD

Über die Schätze vom Magdalensberg oder, wie er auch hieß, Helenenberg gibt es mehrere Sagen, die durch die jetzigen Ausgrabungen ein besonderes Gewicht erhalten.

So erzählte ein hundertjähriger Greis, er habe in der Nähe des Magdalensberges als kleiner Hirtenknabe ein großes metallenes Pferd gesehen, das dort ausgegraben wurde. Die Finder feilten es an mehreren Stellen an und es glänzte wie Gold.

Hocherfreut brachten sie es in eine Scheune und begannen zu zechen. Der Hirtenknabe wurde als Wächter des Pferdes angestellt und bekam auch manches Gläschen zu trinken. Aber nach einigen Tagen war das Pferd plötzlich verschwunden und man sagte dem Knaben, es sei wieder versunken. Auch unter der Kirche - einige sagen gegen Osten, andere unter dem Altar der Kapelle - sollen drei Metallmänner vergraben sein, die einst als Götter in einem Tempel angebetet wurden, auf dessen Grundmauern die jetzige Kirche erbaut ist.

Von dem heidnischen Tempel, der am Magdalensberg ob Ottmanach gestanden haben soll *), erzählen alte Leute, er habe in seinem Turmknauf einen Diamanten gehabt, der seine Feuerstrahlen weithin sandte. Die Türken hörten von diesem Kleinod und kamen nach Kärnten. Da der wertvolle Stein aber sorgsam bewacht wurde und nur mit Gewalt gewonnen werden konnte, entspann sich ein verhängnisvoller Krieg, so daß die Stadt Sala vernichtet wurde, worauf die Türken mit dem reichen Schatz nach Konstantinopel zogen.

Andere berichten, die prächtige Stadt Sala sei von zwei riesigen Diamanten beleuchtet worden, deren einer am Magdalensberg, der andere am Ulrichsberg aufgestellt war. Der Schein dieser Diamanten drang bis in die Türkei und lockte die Türken herbei, wobei Sala im Kriege unterging. Eine andere Sage schreibt den Hunnen die Vernichtung der Stadt Sala am Zollfeld zu. Als sie plündernd in die Stadt einfielen, entkamen 60 edle Römer dem Tode. Da sie ihr Geschmeide und ihr Geld nicht mitnehmen konnten, warfen sie alle ihre Schätze in einen Brunnen in der Schmiedgasse, wo sie noch heute liegen sollen.

Auch von einer silbernen Kegelbahn wird berichtet, die ein Hirte beim Gradischnig auf dem Helenenberg erblickte, mit neun goldenen Kegeln und drei goldenen Kugeln. Als er wiederkehrte, um die schönen Kegel mit den Kugeln heimzutragen, fand er die silberne Kegelbahn nicht mehr.


*) Die neuen Ausgrabungen haben tatsächlich Reste römischer und vorrömischer Bauten zutage gefördert.

Franz Pehr, Kärntner Sagen. Klagenfurt 1913, 5. Auflage, Klagenfurt 1960, Nr. 13, S. 30