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DAS VENEDIGERMANDL IM LANTSCHNIKWALDE Vor langer Zeit kam alljährlich ein Welscher nach St. Ulrich bei Feldkirchen. Ohne lange zu verweilen, ging er jedesmal in den Lantschnikwald und kehrte schwer beladen daraus zurück. Niemand wußte, woher er kam und was er im Walde zu tun habe, nicht einmal der Bauer, bei dem er übernachtete. Auch war aus ihm nichts herauszubringen. Einmal aber entschlüpften ihm die Worte: "Würden die Menschen die Gegend kennen, brauchten sie sich nicht so zu plagen." Und als das "Venedigermandl" im nächsten Jahr wiederkam und sogar einen jungen Gefährten mitbrachte, schlich ihnen der Bauer nach in den Wald. Vor einem Hügel machten sie halt. Der Welsche murmelte einige Worte und machte mit einem Stab mehrere Zeichen auf den Felsen. Der Fels tat sich auf, Gold schimmerte aus der Tiefe, und die beiden Welschen stiegen mit ihren Kraxen hinein; es dauerte nicht lange, kamen sie schwerbepackt zurück. Als der Bauer das Gold in ihren Körben glänzen sah, konnte er sich nicht mehr länger halten und stürzte mit drohender Miene vor die Erschrockenen hin: sie sollten ihm entweder ihre Schätze abtreten oder ihm erlauben, sich solche aus der Grube zu holen. Sie entschieden sich für das letzere. Aber als der Bauer hinabgestiegen war, berührte der Alte, einige Worte murmelnd, mit seinem Stabe den Felsen, der sich darauf wieder schloß. Der Bauer indessen war ganz benommen von den Schätzen des Berges und nahm sich davon, soviel er tragen konnte. Aber er fand den Ausgang nicht mehr und irrte verzweifelt umher. Endlich hörte er von ferne ein Rauschen. Dem ging er nach und wirklich fand er einen Bach, der ihn schließlich durch eine enge Öffnung ins Freie führte. Als er wieder das Tageslicht erblickte, fand er sich in einer ganz fremden Gegend. Franz Pehr, Kärntner Sagen. Klagenfurt 1913, 5. Auflage, Klagenfurt 1960, Nr. 19, S. 40
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