Der Zauberer Jaggl

1. In früheren Zeiten gab es Leute, welche „Hochwetter“ erregen konnten. Gin solcher Mann war der Zauberer Jaggl. Dieser überwarf sich einst mit dem „Grafen“ von Drauhofen (heute heißt das Haus beim „Wieser“) und verließ ihn zürnend. Beim Fortgehen stieß er folgende Drohworte aus: „Warte! das sollst du mir büßen! Dein Schloß, das stürze ich in die Drau.“ Er begab sich hierauf unverweilt auf den „Knoten“, zog seine Zauberschnur und erregte von den hohen Almen aus einen furchtbaren Sturmwind, daß die Lärchen auf dem „Knoten“ wie Schilf umknickten und der Rauchfang des Schlosses herabfiel. Das Gebäude selbst blieb freilich stehen, weil dem Zauberer mitten in der Beschwörung die Schnur riß. Da rief er unmutig ins Tal hinab: „Wäre mir meine Schnur nicht gebrochen, so hättest du jetzt kein Schloß mehr“, und verschwand.

2. Am rechten Ufer des Kolbnitzbaches erhebt sich ein Hügel, der oben abgeplattet ist. Er heißt der Zaubrerboden. Dort soll vor vielen, vielen Jahren das Schloß des „Zaubrerjaggl“ gewesen sein. Von hier aus trieb er sein Unwesen. Er beteiligte sich am Wolkenschieben, schaute Menschen und Vieh mit scheelen Augen an, daß sie erkrankten und daran zugrunde gingen. Einst schob er die Wolken bis in die Türkei hinein. Auf dem Rückwege ging es ihm sehr schlecht und er mußte sich in einen weißen Hasen verwandeln, sonst hatte man ihn gesteinigt. Gepeinigt von Hunger erreichte er das Haus des Oberfellner. Die Bäuerin labte den Hungrigen und wurde darob vom Bauer, einem Feinde des „Jaggl“, beinahe davongejagt. Hurtig zog der Neugestärkte Wolken zusammen und vernichtete durch Wolkenbrüche die Felder des Oberfellner. Von dieser Wolkenreise kehrte er diesmal noch glücklich heim. Später schoß ihn ein Jäger in Gestalt eines weißen Hasen. So endete der gefürchtete Zauberer.

Quelle: Georg Graber, Sagen aus Kärnten, Graz 1941.
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Harald Hartmann, Februar 2006.
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