SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Österreich >> Kärnten >> Georg Graber, Sagen aus Kärnten

   
 

Die Teufelsbrücke und die Teufelsfaust

Von dem Orte Ebene Reichenau führt eine prächtige Straße über die Turracher Alpe. Auf ihr gelangt man zuerst zu einer zehn Meter hohen Brücke, welche vom Volke die Teufelsbrücke genannt wird. Ungefähr hundert Schritte weiter ragt ein riesiger Felsen über die Straße. Besichtigt man nun diesen etwas näher, so bemerkt man an ihm Spuren einer mächtigen Faust, welche vom Teufel herrühren sollen. An diese beiden Stellen knüpft sich folgende Sage: Ein Wilderer ging einst wieder seinem schlimmen Gewerbe nach und kam ganz ermüdet bei diesem Felsen an, wo er, da es schon dunkel wurde, Rast hielt. Weil er aber nichts geschossen hatte, fluchte und tobte er fürchterlich, so daß einem frommen Menschen die Haare zu Berg gestiegen wären. Ob dieser Gotteslästerung erschien am Fuße des Felsens der Teufel. Als nun der Wilderer die Gestalt des Leibhaftigen sah, ergriff er vor Schrecken die Flucht. Da ihn der Teufel nicht mehr erreichen konnte und auch kein Stein in der Nähe war, riß er mit großer Wucht ein Stück vom Felsen los und warf es dem Flüchtling nach. Dieser wich aber dem Wurfe noch rechtzeitig aus und lief über die Brücke, welche dort über die Gurk führt. Der Teufel setzte ihm nach, da er aber, wie das Volk glaubt, nicht über das Wasser darf, so mußte er die Verfolgung aufgeben und der Wilderer war nun gerettet. Aus Zorn, daß er nicht über die Brücke durfte, zerriß sie der Teufel, so daß eine große Schlucht entstand, in welcher er verschwand. Die Bewohner des Ortes mußten dann eine große und hohe Brücke über die Schlucht bauen, welche noch heute von den Wanderern, die über die Alpe gehen, bewundert wird. Sieht man über die Mauer hinab, so hört man in einer ungeheuren Tiefe das Wasser rauschen.

Quelle: Georg Graber, Sagen aus Kärnten, Graz 1941.
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Harald Hartmann, Februar 2006.
© digitaler Reprint: www.SAGEN.at