Škopnjak

Im unteren Rosental ist die Sage von einer brennenden besenförmigen Gestalt, welche am Himmelsgewölbe dahinfliegt, sehr verbreitet. Dieser Geist heißt Škopnjak und stammt aus dem deutschen Volksglauben, da der Name hergeleitet ist von dem altdeutschen Worte sconup, neuhochdeutsch Schaub, das ist Garbe, Besen, Bund. Es wird von ihm gar vieles erzählt. Man sagt, er komme am Himmel hergeflogen und setze sich auf einen Baumwipfel oder Strauch, welcher dann verbrenne. Wo er einmal gesessen hat, bildet sich ein harter Klumpen. Er setzt sich auch gerne auf die Türklinke, den Misthaufen und auf einen Holzspan, der an beiden Enden angebrannt ist. Gewöhnlich erscheint er beim Hause, wenn darin jemand in den letzten Zügen liegt.

Man erzählt, daß er Kinder, wenn er sie bei der Türklinke, einem solchen Holzspan oder auf dem Misthaufen betritt, zu erwürgen pflegt; Wickelkinder tötet er auch im Bett. Sobald ein Kind die Türklinke anfaßt, wird es vom Škopnjak ergriffen und solange gewürgt, bis es tot zusammenbricht. Um die Kleinen vor ihm zu schützen, soll man die Türschnalle wie auch die Wickelkinder mit Weihwasser benetzen. Hat er einmal ein Kind in seiner Gewalt, so kann es nur von einem Menschen gerettet werden, der auf einer einjährigen Hanfpflanze steht, welche aus einem zufällig verstreuten Hanfkörnlein gekeimt hat.

Eine Sage erzählt, daß ihm einmal ein betrunkener Bauer auf dem Heimwege vom Wirtshause begegnete und ihm zurief, ihm seine Pfeife anzuzünden. Da sei der Škopnjak herbeigekommen und habe ihn getötet.

Einmal ging ein Jäger, das Gewehr auf der Schulter, spät nachts von einem Pirschgange heim. Auf einem Zaun, den er übersteigen mußte, gewahrte er eine Gestalt, von der die Funken stoben. Eine Weile überlegte der Jäger, ob er wohl über den Zaun setzen solle, dann aber dachte er, es sei, wie es wolle, und stieg mutig über. Auf der anderen Seite angelangt, nahm er die Büchse von der Achsel und schoß auf die Stelle, wo das Ungetüm saß. Da erfolgte ein so furchtbarer Donnerknall, daß die Leute aus den benachbarten Häusern herbeigerannt kamen, um zu sehen, was es gebe. Kaum erblickten sie den Škopnjak, so liefen sie in ihre Stuben zurück. Als man frühmorgens zur Stelle nachschauen ging, fand sich dort nichts Außergewöhnliches vor, das Gespenst war spurlos verschwunden.

In Unterkärnten heißt es, der „Skopnek“ oder Škopnjak komme abends in Gestalt eines feurigen Besens heran und setze sich aufs Hausdach, wenn man über den Feierabend gearbeitet hat.

Handgroß oder garbengroß kam er wie ein feuriger Besen durch die Luft geflogen, setzte sich auf einen Zaun oder ein Dach oder verschwand gänzlich. Gesehen wurde er meist in der Abenddämmerung oder in der Nacht. Setzte er sich auf ein Dach, so geschah dort die Nacht darauf ein Unglück, gewöhnlich starb wer.

Eines Nachts bemerkten singende Burschen einen brennenden Busch, der sich auf das Sicherhaus in Gonowetz niederließ. Neugierig gingen sie hin und hörten ein klägliches Kinderwimmern. Da das jämmerliche Weinen nicht aufhören wollte, klopften sie an die Tür und riefen die Bäuerin. Als sich niemand meldete, drangen die Burschen ins Haus ein. Es war die höchste Zeit. Drinnen lag eine junge Mutter. Ihr träumte, sie verjage eine schwarze Katze und da diese nicht fort wollte, stieß sie sie mit den Füßen. In Wirklichkeit aber trat sie ihr kleines Kind. Wären die Burschen nicht gekommen und hätten die Bäuerin nicht geweckt, so würde diese ihr eigenes Kind erdrückt haben.

Eines Abends gingen ein paar Frauen aus Wackendorf nach Hause. Sie waren in Eisenkappel gewesen, hatten dort Bäumchen gesetzt und sich verspätet. Es wurde Nacht, als sie den Heimweg antraten. Da lief ihnen so ein Škopnjak nach und verfolgte sie längere Zeit. Schreiend liefen die Weiber davon, bis ihnen ein Mann entgegenkam. Da verschwand der Škopnjak.

In Traundorf gab es beim Ramusch im Stall sehr viele Ratten. Sie waren weder durch Katzen und Fallen noch durch ausgelegtes Gift zu vertreiben. Da sah eines Abends der Gregore-Vater, wie sich ein brennender Besen auf das Dach des Stallgebäudes niederließ. Am anderen Morgen sah er, daß der Namusch-Knecht eine Unmenge toter Ratten aus dem Stalle trug. Der Škopnjak hatte ihnen bei Nacht den Tod gebracht.

In Tscherberg bemerkte ein Mann eines Abends einen Škopnjak. Dieser setzte sich auf das Dach des Kucharhauses. In derselben Nacht brannte der Stall bis auf den Grund nieder.

Quelle: Georg Graber, Sagen aus Kärnten, Graz 1941.
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Harald Hartmann, Februar 2006.
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