SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Österreich >> Kärnten >> Georg Graber, Sagen aus Kärnten |
|
Die versteinerten Linsen
Das Linsenfeld. Im Hintergrund der Ort Guttaring In der Nähe von Guttaring liegt nördlich vom Hügel, auf welchem sich das Kirchlein St. Gertraud erhebt, ein Stück Land, welches das Versteinerte Linsenfeld heißt. Da findet man versteinerte Linsen, von denen einige wie durch einen äußeren Einfluß plattgedrückt, andere aber ganz voll und rund sind, als ob sie eben erst aus den Schötchen gefallen wären, und das in solcher Menge, daß man Hände voll auflesen kann. Der Name des Ackers findet in folgender Sage seine Erklärung: Es war am Tage St. Gertraud (17. März), an welchem die Feldarbeit beginnt. Ein armer Bauer hatte mit seinem Weibe und zahlreichen Kindern nichts mehr zu essen, obwohl er selbst sparte und hungerte, um der Seinen Hunger zu stillen. Es war alles vergeblich. Nun konnte er kaum erwarten, daß dieser Tag, den alle feierten, vorüberging, um einen Sack Linsen, das einzige, was ihm von der letzten Ernte übrig geblieben war, zu säen. Als die Leute nun scharenweise zum Gertraudkirchlein gingen, da faßte der Bauer den Sack und ging auf das Feld, um die Linsen zu säen. Er horchte nicht auf seine Frau, die ihn bat, den Feiertag zu heiligen; denn je früher er ernten konnte, desto eher hatte die Not ein Ende. Vergeblich blieben die Warnungen der frommen Kirchgänger, der Bauer säte die Linsen. Am folgenden Tage gingen auch die übrigen Bauern an die Aussaat. Als die Erntezeit herankam und der Bauer seine Linsen einheimsen wollte, o Wunder, da fand er in den Schoten statt der Früchte kleine runde Steine. Er selbst ward von Gott gestraft und auf seinem Feld zu Stein verwandelt. Erst wenn all die zahllosen steinernen Linsen von Vorübergehenden aufgelesen sind, wird seine Erlösungsstunde schlagen. Seit dieser Zeit führt jenes Feld seinen sonderbaren Namen. Quelle: Georg Graber, Sagen aus Kärnten, Graz 1941. Anmerkung:
Versteinerte Nummuliten auf dem Linsenfeld in Guttaring Während des Altertiärs (Paläozän - Eozän < 65 Mill. Jahre) erreichten die Nummuliten ein Maximum ihrer Verbreitung und traten in den Meeren teilweise offenbar in solchen Massen auf, dass die abgelagerten Schichten fast ausschließlich aus den Gehäusen abgestorbener Nummuliten bestehen. Derartige Kalk- und Mergelablagerungen waren einst, wie aus verschiedenen Funden zu schließen ist, auch in Kärnten relativ weit verbreitet. Quelle: Informationstafel der Gemeinde Guttaring beim Linsenfeld
|