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Die Weiße Frau in Burg Schlaining

Vor langer, langer Zeit wohnte ein edles Rittergeschlecht in der alten Ritterburg. Der Graf, ein Haudegen vom Scheitel bis zur Sohle, war viel vom Hause weg, denn er kämpfte mit nimmermüder Tapferkeit gegen die Türken. Seine junge Frau überließ er der Obhut eines Knappen. Als der Graf einmal heimkehrte, munkelte man so manches über die Untreue seines Weibes. Unter des Grafen Reisigen [Soldaten] war einer, der seinem Herrn das Gerede mitteilte. Nun wollte der Graf Gewißheit haben. Er teilte seinem Weibe mit, daß er auf längere Zeit zu verreisen gedenke. Mit Wehmut nahm die Frau von ihrem Manne Abschied. Ganz unerwartet kam aber der Graf eines Abends zurück. Er stürzte in die Gemächer seiner Frau und fand sie in Gesellschaft seines Knappen. In wilder Wut stach er diesen nieder, seine Frau jedoch ließ er in derselben Nacht im schwarzen Turme einmauern.

Jahre vergingen. Der Graf saß in nächtlicher Stunde einsam auf seiner Burg, der Sturm tobte um das Gemäuer. Da plötzlich erschien ihm, weißgekleidet, seine Frau. Er fiel vom Sessel, ein Herzschlag hatte sein Leben beendet. Seither huscht von Zeit zu Zeit die Weiße Frau über die Bastei.


Quelle:Der Ursprung von Bad Tatzmannsdorf im Burgenlande, Bothar, in: Wiener Zeitschrift für Volkskunde 32, 1927, S. 5ff., zit. nach Sagen aus dem Burgenland, Hrsg. Leander Petzoldt, München 1994, S. 105f.