Der Wassermann

Der Wassermann trägt ein grünes Gewand und hohe Röhrenstiefel. Oft wird er als ein behaartes Gespenst geschildert, das halb Mensch und halb Fisch ist. An Markttagen kriecht er aus dem Wasser heraus und geht gerne unter die Menschen. Man erkennt ihn aber leicht, da ihm aus dem linken Ärmel immerfort Wasser trieft. Auf dem Heideboden fürchtet sich die Jugend beim Baden in der Leitha vor dem Wassermann, denn es heißt, daß er alljährlich seine Opfer fordert. Um die Mittagszeit und nach dem Abendläuten ist das Baden sogar verboten, da man weiß, daß um diese Stunden die Wassergeister besonders auf die Menschen lauern. Der Wassermann wird unartigen Kindern als Schreckpopanz hingestellt.

"Das Wassermandl kommt!" hört man oft aus dem Mund der Großmutter sagen, die daheim eine ganze Schar von Kindern betreut, während die Eltern auf dem Feld arbeiten.

In der Umgebung des Neusiedler Sees wird zu Weihnachten aus Weizenmehl eine Puppe, der sogenannte "Hausvater", gebacken. Das Scherzel dieses Gebäckes muß man in den Brunnen oder in den See werfen, damit die Wassergeister übers Jahr dem Haus hold bleiben.


Quelle: Anton Mailly, Adolf Parr und Ernst Löger, Sagen aus dem Burgenland, Wien/Leipzig 1931, Nr. 24, S. 49f, zit. nach Sagen aus dem Burgenland, Hrsg. Leander Petzoldt, München 1994, S. 250.