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Die Wilde Jagd und die tanzenden Hasen

Am Morgen eines Karfreitags gingen der Fritz und der Grillen-Hansl in den Wald auf die Jagd, um Hasen zu schießen.

Plaudernd gingen sie nebeneinander, als sich plötzlich ein gewaltiger Sturm erhob, der die Bäume samt den Wurzeln aus der Erde riß und die Wipfel der größten Tannen bis zur Erde bog. In der Luft jagten die Wilden Jäger mit ihren Treibern und Hunden dahin.

Fritz und Hans hörten ein Brausen, Heulen und Krachen, wie sie es bisher nie gehört hatten. Sie legten sich platt auf den Boden und wagten kaum zu atmen, bis das Getöse der wilden Jagd in der Ferne verhallt war.

Als die Burschen sich von ihrem Schrecken erholt hatten, gingen sie tiefer in den Wald hinein, um doch noch etwas zu erlegen.

Da sahen sie auf einem Baumstrunk zwei Häslein spielen. Fritz legte sein Gewehr an, schoß und traf beide. Er ging dann hin, um die Hasen aufzuheben. Aber siehe da! Die Häslein waren unversehrt, hüpften vergnügt um den Jäger herum und machten ihre Manderln. Den beiden Jägern kam die Geschichte nicht ganz geheuer vor. Sie gingen aber weiter, bis sie wieder zwei Häslein spielen sahen. Jetzt schoß der Hans. Der Schuß krachte, die Häslein aber machten es wie die ersten, tanzten um einen Baumstumpf herum und taten vergnügt, als ob sie die Jäger auslachen wollten.

Das war den beiden doch zu bunt; sie machten sich daher schleunigst auf den Heimweg. Unterwegs begegneten sie jedoch zum drittenmale den zwei Häslein. Fritz konnte dem Verlangen nicht widerstehen, auf sie zu schießen. Der Schuß krachte, und einer von den beiden Hasen lag tot im Grase. Fritz steckte ihn in die Jagdtasche. Wie sie so weitergingen und schon den Waldrand erreicht hatten, rief der andre Hase:

"Kamerad, wo bist du?"

Da rührte sich der Hase in der Jagdtasche, sprang heraus und war auch schon mit seinem Kameraden im Gebüsch verschwunden. Ein gellendes Lachen erscholl aus dem Walde.

Zu Tode erschreckt liefen sie Hals über Kopf nach Hause und gelobten, nie mehr am Karfreitag auf die Jagd zu gehen. a)

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An einem Karfreitag ging ein Jäger auf die Hasenjagd. Auf einem Baumstrunk sah er zwei Häslein spielen. Er legte an, schoß und traf beide Hasen. Wie er nach den erlegten Tieren greifen wollte, gewahrte er, daß sie unverletzt waren, und alsbald sprangen sie auch auf und hüpften um ihn herum. Dem Jäger kam das Erlebnis seltsam vor. Er streifte weiter durch den Wald und sah wieder zwei Hasen. Ein Schuß krachte, die Hasen sprangen aber um einen Baum herum, als ob nichts geschehen wäre. Ein drittes Mal sah der Jäger wieder zwei Hasen, und einer erhielt den Todesschuß. Der Jäger steckte ihn in die Jagdtasche. Als er schon den Waldrand erreicht hatte, sah er den zweiten Hasen herumhüpfen. Plötzlich rief dieser:

"Wo bist du?"

Da rührte sich der Hase in der Jagdtasche, sprang heraus und war auch schon mit dem anderen Hasen im Gebüsch verschwunden. Der Jäger ging nach Hause und gelobte, nie mehr am Karfreitag auf die Jagd zu gehen. Später erfuhr er von einem alten Mann, daß die beiden Hasen Hexen gewesen seien. b)


Quelle: a) Lesebuch für die burgenländischen Volksschulen, Adolf Parr, Teil II, Wien/Leipzig 1929, S. 220f, zit. nach Sagen aus dem Burgenland, Hrsg. Leander Petzoldt, München 1994, S. 132ff.
b) Adolf Parr und Ernst Löger, Sagen aus dem Burgenland, Anton Mailly Wien/Leipzig 1931, S. 84f, zit. nach ebenda.