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Die vorwitzige Kellnerin Da war eine Kellnerin, die fürchtete sich vor nichts, da konnte kommen, was wollte. Da war ein Menschenskelett, das sie hinter der Kirche aufgehängt hatten. Es war ein Wunder, daß die Knochen des Skelettes nicht auseinanderfielen. Da haben sie einmal in einem Wirtshaus miteinander Schnaps getrunken und diskutiert wie wir. Und das Mädchen sagte:
Als sie in die Kirche geht, hat sie ihnen das Skelett hingeschmissen auf den Tisch, wo die Herren rundherum gesessen sind. Ein Knochen fällt da hinunter, der eine dort. Da kam ihnen das Schaudern, und sie wollten, daß die Kellnerin das Skelett zurückbringt. Diese nimmt das Skelett und geht fort. Bevor sie zur Kirche kam, wurde es schwer, daß sie es nicht mehr tragen konnte. Da hat sie es fortgeworfen. Plötzlich steht ein schwarzer Mann vor ihr:
Da geht sie hin und hat das alles so gemacht. Klopft an, niemand rührt sich, klopft an, erst beim dritten Mal sagt es: "Kommen'S herein!" Da sitzt ein alter Mann drinnen und hat ein Buch in der Hand:
Der spricht nichts, kein Wort.
Da geht sie hinaus, und wie sie hinauskommt, lag dort das Skelett, wo
sie es hingeworfen hatte. Hat das Skelett wieder hingehängt und ging
zurück ins Wirtshaus, wo alle noch gesessen sind. Sie war schneeweiß
von dem, was sie mitgemacht hatte, und ein halbes Jahr später ist
sie gestorben.
Quelle: Zentralarchiv der deutschzen Volkerzählung, Marburg, ZA: 184023, zit. nach Sagen aus dem Burgenland, Hrsg. Leander Petzoldt, München 1994, S. 93f. |