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Hexentreiben

Der Wörtherberger Stadtschuster Hansl ging einmal in die Nachbarortschaft Wolfau, um dort Milchtöpfe zu kaufen. Er kaufte zwölf Töpfe und machte sich in der Abenddämmerung auf den Heimweg, nachdem er sich mit einem Viertel Wein gestärkt hatte. Mitten auf der Straße wurde er plötzlich von Hexen umringt, die ihn einluden, mit ihnen beim großen Birnbaum Hochzeit zu feiern. Hansl verzichtete auf die großmütige Einladung, die Hexen aber owaren darüber erbost und ließen nicht locker. Er owurde hin- und hergezerrt, bis er verärgert die Hexen beschimpfte. Aber es half nichts. Sie packten ihn, und im Nu waren sie beim großen Birnbaum, wo es recht lustig zuging. Hansl mußte mit den Hexen tanzen und um die Wette trinken. Schließlich versagten ihm die Kräfte, und als ihn die Hexen rücksichtslos mit sich fortrissen, verfluchte er sie alle mitsammen. Darüber waren sie sichtlich empört und flogen mit ihm in die Lüfte. Und fort ging es nun bei Sturmgeheul über die Bäume mit dem Stadtschuster Hansl und seinen zwölf Milchtöpfen bis zur Wolfauer Wehre. Dort tauchten sie den armen Hansl so lange ins Wasser, bis er die Besinnung fast verlor. Kaum hatte er sich etwas erholt, begannen sie ihr Treiben von neuem. Endlich schlug es zwölf, und damit verloren die Hexen ihre Macht.

Vor Schreck und Angst wußte der arme Schuster kaum, wie er nach Hause gekommen war. Seine Frau wartete schon mit Sehnsucht auf ihn und war nicht wenig erstaunt, als er, bis auf die Haut durchnäßt, ohne Milchhäferln in die Stube trat. Er erzählte ihr unter Tränen sein nächtliches Abenteuer und gelobte, ohne einen geweihten Gegenstand nicht mehr in der Nacht das Haus zu verlassen. Um zu beweisen, daß er tatsächlich bei einer Hexenfeierlichkeit gewesen war, wollte der Hansl seiner Frau, der Lenerlmahm, ein paar Krapfen geben, die er heimlich für sie eingesteckt hatte. Als er aber in die Tasche griff, fand er Pferdeäpfel darin. Am nächsten Morgen gingen sie beide zum großen Birnbaum, wo ihm von den Hexen so arg mitgespielt worden war. Und da erlebten sie die Freude, die zwölf Milchhäferln ganz unversehrt wiederzufinden.


Quelle: Adolf Parr und Ernst Löger, Sagen aus dem Burgenland, Anton Mailly Wien/Leipzig 1931, S. 79, zit. nach Sagen aus dem Burgenland, Hrsg. Leander Petzoldt, München 1994, S. 60f.