|
SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Österreich >> Burgenland |
|
|
Wer in der Heiligen Nacht einen Streich verübt In der Christnacht sind zwölf Bäckergesellen zusammengekommen. Sind ins Wirtshaus gegangen, und ein jeder hat sich ein Glas Wein geben lassen. So reden sie miteinander:
Da läuft aber einer von den elfen fort. Denn sein Meister hat eine Bärenhaut gehabt, eine abgezogene. Er hüllt sich in die Bärenhaut ein und geht hinaus zum Friedhof. Außerhalb der Mauer ist aber ein Graben gewesen und nebenbei ein Klafter Holzscheiter. Er legt sich in den Graben hinein und hat auf den gewartet, der gekommen ist. Wie der gekommen ist, springt er im Graben auf und knurrt ihn an. Er springt ihm auf die Brust und reißt ihm mit den Bärenpratzen den Rock herunter, daß die Fetzen herunterhängen. Sagt der:
Er nimmt ein Holzscheit und haut dem Bären auf den Schädel, und der fällt um und ist gleich mausetot, der Bär. Er geht in den Friedhof hinein und bricht sich einen handlangen Zweig vom Baum. Er bringt es hin und sagt:
Die anderen haben weiter nichts gesagt, nehmen sich zusammen und gehen
hin zum Bären, um zu sehen, was er macht. Sie schauen, der Bär
liegt da, ist noch warm gewesen, und die Haut ist ihm angewachsen gewesen.
Das war die Strafe von unserem Herrgott, daß er in der Heiligen
Nacht so einen Streich verübt hat. Ist in einen richtigen Bären
verwandelt worden, wie wenn der gerade erst aus dem Wald gekommen wäre.
Die Burschen schauen sich nach Werkzeug um, graben außerhalb der
Mauer ein Loch, legen den Bären hinein und machen das Loch zu. Den
Wein haben sie nachher ausgetrunken. Weiter ist gar nichts geschehen.
Quelle: Schwänke, Sagen und Märchen in heanzischer Mundart, Johann R. Bünker, Graz 1981 (ergänzte Auflage von 1906, hrsg. v. K. Haiding), Nr. 24, zit. nach Sagen aus dem Burgenland, Hrsg. Leander Petzoldt, München 1994, S. 199f. |