SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Österreich >> Allgemein >> Österreichisches Sagenkränzlein |
|
Das verwunschene Schloß Vor vielen Jahren hatte sich eine Bäuerin aus der Umgebung von Aspang am Wechsel mit ihrem Töchterlein am heiligen Fronleichnamstage in den Wald begeben, um Erdbeeren zu sammeln und sah sich plötzlich vor einem prachtvollen Schlosse, dessen Torflügel weit geöffnet standen. Mit Erstaunen bemerkte sie in dem Vorhofe des verlassen scheinenden Schlosses mehrere Bottiche, vollgefüllt mir blinkendem Golde. Beherzt trat die Frau mit ihrem Kinde ein und füllte die Schürze und Taschen mit den verführerischen Goldfüchsen, die in ungeheuren Massen da aufgestapelt lagen. Ihren landesüblichen Tragkorb hatte sie draußen abgestellt. Als nun Schürze und Taschen eine weitere Füllung nicht mehr zuließen, begab sie sich vor das Schloß, um ihre kostbare Last in den Tragkorb zu schütten und dann die Sammlung der blinkenden Münzen mit neuen Kräften in Angriff nehmen zu können. Das Töchterchen hatte sie inzwischen bei den Geldfässern im Schloßhofe zurückgelassen. Als die Bäuerin nun den ersten Teil des auf so leichte Art gehobenen Schatzes im Tragkorbe untergebracht hatte und sich eben umwandte, um wieder dem Schlosse zuzuschreiten, da – wer beschreibt ihr Entsetzen – waren die Geldfässer, das Schloß und auch ihr einziges Kind verschwunden. Nach Dr. M. E. Weiser Quelle: Österreichisches Sagenkränzlein, Hans Fraungruber, Wien, Stuttgart, Leipzig 1911 |