SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Österreich >> Allgemein >> Österreichisches Sagenkränzlein

   
 

Karlsbad

Der deutsche Kaiser Karl IV. aus dem Hause Luxemburg war zugleich König von Böhmen. Einst hielt er sich in dem Waldgebiete an den Ufern des Flusses Tepl auf, um dort zu jagen. Die dichten und weiten Forste durchstreifend, kam er auf eine Felsenhöhe, die steil zum Talgrunde abstürzt. Auf der Berglehne angelangt, verfolgten die Hunde einen stattlichen Sechzehnender und hetzten ihn über das wilde Gestein hinab. Das laute Gebell der Rüden lockte die Jäger vorwärts.

Karls Lieblingsdogge jagte der Meute voran. Der Hirsch war jedoch klüger als seine Verfolge, denn er rannte um die Pfütze herum und entkam, während der Hund ins Wasser sprang. Doch bald schlug ein klägliches Geheul aus der Tiefe an das Ohr des nacheilenden Kaisers. Er erkennt den Laut seines Lieblings, folgt der Richtung und steht plötzlich vor einer Quelle, deren Wasser heißer Dampf entsteigt. Verbrüht liegt zu Füßen seines Herrn der Hund und verkündet heulend des Wassers gewaltige Hitze.

Der Kaiser stieß ins Horn und sofort widerhallte es von nah und fern. Das zersprengte Jagdgefolge eilte herbei und sah staunend den kochenden Sprudel.

Der Leibarzt des Kaisers untersuchte den Inhalt des Wassers und erkannte dessen heilkräftige Wirkung. Dem leidenden Zustande des Kaisers wurde der Gebrauch der Quelle empfohlen und er erlangte hierdurch seine vollständige Gesundung. Aus Dankbarkeit beschloß der Kaiser, in der Nähe ein Jagdschloß zu errichten und an der heißen Quelle eine Stadt zu bauen, der er seinen Namen gab. So entstand Karlsbad, das alljährlich von vielen Tausenden von Menschen besucht wird, die dort Heilung ihrer Leiden suchen und oft auch finden.

Mannl.

Quelle: Österreichisches Sagenkränzlein, Hans Fraungruber, Wien, Stuttgart, Leipzig 1911
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Norbert Steinwendner, Dezember 2006.
© www.SAGEN.at