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Die Hippacher Monstranz

Eine liebliche Sage wird in Hippach im Zillertal erzählt. Dort lebte einst eine Bäuerin, deren größte Freude ihr Bienenstand war. Einst hörte sie sagen, daß die Bienen besonders fleißig würden, wenn man das herz hätte, eine Hostie in den Bienenstock zu legen. Lang überlegte die Frau, ob sie es wagen dürfe, endlich aber ging sie doch zum Tisch des Herrn, brachte verstohlen die Hostie heim und tat sie zu den Bienen. Als sie nach etlichen Tagen nachschaute, hatten die Tierchen eine zierliche Monstranz um den heiligen Leib gebaut. Mit reuigem herzen eilte die Bäuerin zur Kirche und beichtete ihr Vergehen.

Der greise Pfarrer folgte ihr ohne Verzug, schnitt die Monstranz samt der Hostie aus dem Socke und trug sie unter inbrünstigem Gebet in das Gotteshaus.

Als er tags darauf das Tabernakel öffnete, war das zierliche Kunstwerk der Tierlein verschwunden. Später wurde nach einer Zeichnung des Priesters eine ähnliche Monstranz aus Gold gebildet, die an der Vorfall erinnerte.

Hans Fraungruber

Quelle: Österreichisches Sagenkränzlein, Hans Fraungruber, Wien, Stuttgart, Leipzig 1911
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Norbert Steinwendner, Dezember 2006.
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