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Der Zwerg zu Junglinster

Zu Junglinster hatte ein Zwerg sich in ein Liebesverhältnis mit einem Mädchen aus dem Dorfe eingelassen. Auf die Dauer konnte dies dem Pastor nicht verborgen bleiben und dieser machte dem Mädchen ernstliche Vorstellungen über seine Verirrung. Das erschrockene Mädchen versprach, sofort den Umgang des Zwerges zu meiden; aber obgleich sie ihm ihren Entschluss mitteilte, so wollte er dennoch nicht von ihr ablassen und wusste sie überall aufzufinden. Sie erzählte dem Pastor von der Zudringlichkeit des Zwerges und bat ihn, ihr zu helfen. Der Pastor, der hier nicht Rat wusste, ließ einen alten Schäfer aus Beidweiler, der im Rufe stand, allerlei geheime Mittel zu besitzen, zu sich rufen, um durch seine Mitwirkung den Zwerg von dem Mädchen fern zu halten. Nach langem Nachdenken nahm derselbe eine Handvoll Salz, das er im Wasser auflöste, tauchte ein Stück Brot in dasselbe, bestreute das Brot stark mit Schwefel und ließ es auf dem Ofen trocknen. Dieses Brot musste das Mädchen vor dem nächsten Besuche des Zwerges essen und sich dann bei seinem Erscheinen auf den Leib drücken. Sie tat es; und als da ein leiser Laut hörbar wurde, entfernte sich der Zwerg mit Abscheu und ward nie mehr gesehen.

L'Evêque de la Basse Moûturie, 297

Quelle: Nikolaus Gredt, Sagenschatz des Luxemburger Landes, Luxemburg 1883