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Die Wichtelcher zu Straßen

A. Einem ohne seine Schuld in Armut geratenen Mann, der zu Straßen in einem heute noch bekannten Hause wohnte, halfen die Wichtelcher wieder aus der Not, indem sie jeden Tag in aller Frühe die Arbeit in Haus und Stall und auf dem Felde verrichteten. Als der Winter herankam, legte der Mann den Wichtelchern Kleidungsstücke in die Scheune, damit sie sich gegen die Kälte schützen könnten. Da glaubten die Wichtlein, man bedürfe ihrer nicht mehr, und waren von der Zeit an verschwunden.

Auch hier wird erzählt, dass ein pflügender Bauer, welcher Stimmen unter der Erde habe rufen hören: „Mir auch einen Kuchen! Mir auch einen Kuchen!“, ebenfalls gerufen habe: „Auch mir einen Kuchen!“ Am anderen Morgen habe er einen Kuchen auf dem Pfluge gefunden und habe daran schneiden können, soviel er wollte, derselbe sei nie über die Hälfte verzehrt worden.

 

B. In Kempenhaus trieben anfangs die Wichtelcher ihr wohltätiges Wesen: nachts verrichteten sie die Arbeit in Stall und Küche, fütterten die Pferde, droschen, machten Butter, verfertigten zugeschnittene Schuhe. Einst setzte man ihnen Essen hin; da trauerten die kleinen Männlein, denn sie glaubten, man wolle ihnen ihren Lohn geben und bedürfe ihrer Dienste nicht mehr. Sie wanderten aus diesem Hause weg nach dem Hiènenhaus. Dort walteten sie ebenso wohltätig wie im Kempenhaus. Da sagte einst die Hausfrau: „Mir missen dénen Déercher z'îesse gin!“ Sprach's und tat es auch. Da verschwanden die Wichtlein auf immer.

Quelle: Nikolaus Gredt, Sagenschatz des Luxemburger Landes, Luxemburg 1883