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Die Wichtelmännchen im Katzenfels

A. Im Katzenfels, dicht am Wege, der von Mamer nach Kehlen führt, wohnten vor langer Zeit Wichtelmännchen in einer tiefen Felsenhöhlung. Sehen konnte man sie nicht, wohl aber gaben sie ihr Dasein kund durch die Arbeiten, die sie verrichteten, und die Wohltaten, die sie heimlich spendeten. Merkte z.B. ein auf dem nahen Acker pflügender Bauer am aufsteigenden Rauche, daß die Wichte Brot buken, so rief wohl der Pflugjunge (Treiber) laut zum Katzenfels hinüber: „Ihr lieben Wichtelmänner, backt auch uns ein Brötchen mit!“ Pflüger und Treiber fanden dann regelmäßig bei ihrer Rückkehr je ein Brötchen auf dem Pfluge liegen.

Einst versiegten für immer die Wasserquellen des Boforter Hüttenwerkes; das war für die ganze Umgegend ein harter Schlag, zumal da zu gleicher Zeit die Ernten schlecht ausgefallen waren. Ein Mann aus Mamer, Vater von sieben Kindern, ging mit dem Rest seiner Barschaft nach Kehlen, um Brot zu kaufen. Im dichten Schneegestöber kehrte er spät abends traurig und ohne Brot zurück. Schon hatte er den Kehlbach überschritten, als er vor sich ein gewaltiges Klopfen und Geräusch hörte. Indem er weiterging, gewahrte er plötzlich dem Katzenfels gegenüber auf dem sogenannten Goldberg einen großen Feuerofen, um den sich allerlei Schatten bewegten. Es waren die Wichtelmännchen, deren Wohnung in der Nähe war. Der Mann näherte sich unvermerkt und schaute verwundert dem geschäftigen Treiben zu. Die Zwerge hatten ganze Haufen Goldes umherliegen und noch immer prägten sie neue Münzen. Da trat der Mann vor und klagte seine Not. Mitleidsvoll erlaubten ihm die Wichtlein soviel Geld zu nehmen, als er bedurfte, um aller Not enthoben zu sein. Als sich nun unser Mann anschickte, seinen Wohltätern zu danken, war alles verschwunden. Von der Zeit an hat man die Wichtelmännchen nie mehr beim Goldprägen überrascht, so sehr auch die Neugier oder vielmehr die Habsucht die Einwohner von Mamer antrieb, sich bei den Zwerglein Reichtum zu holen.

Die Wichtelmännchen trieben ihre Kuh zum Vieh der umliegenden Dörfer auf die Weide und hüteten des Tieres sorgsam; doch vermochte keiner der Hirten je ein Wichtelchen zu sehen.

Lehrer Ries zu Mamer

B. Vor vielen Jahren, als die guten Wichtelmännchen noch im Lande waren und den Leuten bei der Arbeit halfen, kam ein Mann, namens Mamer, am Katzenfels vorbei. Hier hörte er auf einmal das muntere Klopfen und Hämmern einer Schmiede, er kehrte ein und sah, wie die niedlichen Kleinen das Gold und Silber verarbeiteten, das sie nachts aus den Bergen holten. Der Mann gründete sich nun in der Nähe eine neue Heimat, dort wo jetzt das Dorf Mamer liegt. Die Wichtelmännchen aber sind verschwunden, jedoch ihre Wohnung im Katzenfels kann man heute noch sehen.

P. Pesch, Lehrer

Quelle: Nikolaus Gredt, Sagenschatz des Luxemburger Landes, Luxemburg 1883