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Die Wichtelmännchen im Kalvergrond

Zwischen Eschdorf und Kuborn liegt in einem von zwei Hügeln eingeschlossenen Tälchen, im Ort genannt Kalvergrond, ein einsamer Felsen, worin, nach Aussage der alten Leute, die Wichtelmännchen sich aufhielten. Noch heute sieht man ihre Wohnung, zwei kleine Zimmer, die in den Felsen eingehauen sind. Den Bewohnern des nahe gelegenen Kuborn halfen sie im Sommer bei den Feldarbeiten und im Winter nähten und strickten sie für dieselben. Am meisten aber waren sie einem Müller zugetan. Unterhalb Brattert, im Ort genannt Mühlengrund, stand ehemals eine Mühle, von der heute nur mehr wenige Steinhaufen übrig sind. Während der Nacht, wenn der Müller beim Mahltrog eingeschlafen war, kamen die Wichtelmännchen und mahlten für denselben. Jedoch sein Vorwitz vertrieb die wackeren Männlein.

Eines Abends tat er, als ob er schliefe. Die Männlein kamen wie gewöhnlich, schütteten auf und fingen an zu mahlen. „Hab ich euch endlich erwischt!“ rief der Müller aus. Das erzürnte die Wichtelmännchen und von dieser Zeit wandten sie sich vom Müller weg. Er verarmte bald, und nach seinem Tode fand sich kein Käufer mehr für die Mühle, so dass sie bald von selbst verfiel.

Nunmehr halfen die Wichtelmännchen keinem mehr aus der Not. Die Leute gingen oft zu dem Felsen, um sie zu beobachten. Dies erbitterte sie aber. Eines Morgens waren sie davongezogen und niemand wusste, wohin. Aber ihre Wohnung im Kalvergrond besteht heute noch.

Lehrer J. Scholler

Quelle: Nikolaus Gredt, Sagenschatz des Luxemburger Landes, Luxemburg 1883