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Die Wichtelcher im Heiderscheidergrund

Vor mehr als hundert Jahren, als die Wichtelmännchen noch auf Erden wirtschafteten, bestand im Heiderscheidergrund (Gemeinde Heiderscheid) an der Stelle, wo sich heute der Häuserkomplex Linden, Kayser, Zoller befindet, eine Papiermühle. Der Besitzer derselben machte, trotzdem die Mühle am Tage stillstand, dennoch glänzende Geschäfte; zudem verfertigte er das schönste und beste Papier weit umher. Sobald die Nacht hereinbrach, geriet auch die Mühle in Gang und arbeitete ununterbrochen bis zum Morgen. Darüber schüttelten manche den Kopf, weil sie das nicht verstehen konnten. Die Ursache aber war folgende:

Einige Meter oberhalb der Papiermühle hatten die Wichtelcher in einem Berge ihre Wohnung. Da diese dem Mühlenbesitzer zugetan waren, so brachten sie demselben jeden Tag bei einbrechender Dunkelheit ganze Haufen Lumpen herbei, so dass die Mühle die ganze Nacht vollauf zu tun hatte. Das ging eine Zeitlang so fort, und die Leute freuten sich ihres Glückes. Endlich kam sie doch die Reue an, dass sie den Wichtlein die Lumpen abgenommen hatten. „Denn“, sagten sie, „die Wichtlein entwenden anderen Leuten die Lumpen, um uns zu bereichern; das ist nicht recht“. Sie teilten ihre Bedenken dem Herrn Pastor mit; dieser schüttelte bedenklich den Kopf und gab ihnen folgenden Rat. „Verfertigt“, sagte er, „eine Mütze aus sieben Stücken (nach anderen eine dreifarbige Kappe), jedes von einer anderen Farbe, und hängt diese Mütze vor das Tor, so werdet ihr die kleinen Schelme los“. Als nun die Wichtlein die nächste Nacht wiederkamen und die Mütze vor dem Tore hangen sahen, wurden sie traurig und sprachen: „Hier hängt unser Lohn!“, entfernten sich eilig und kamen nie wieder. Bei den Besitzern der Papiermühle aber zog das Unglück ein; mit den besten Lumpen brachten sie kein Papier mehr fertig. Das Geschäft ging immer mehr rückwärts, sie verfielen in Armut und Schulden und starben vor Gram.

Die Grotte, in welcher die Wichtelcher während ihres Aufenthaltes bei der Mühle wohnten, kann man heute noch sehen. Der Eingang zu derselben ist jedoch fast ganz mit Steingeröll verschüttet. Von jeher getraut sich auch niemand, weiter als ein Meter tief in dieselbe hineinzugehen, da man fürchtete, nicht mehr lebendig herauszukommen.

Als die Wichtelcher von da fortzogen, begaben sie sich op Ahlhausen, eine Viertelstunde unterhalb Esch a.d. Sauer. Später wurden sie auch von dort vertrieben und seither hat niemand sie mehr in der Gegend gesehen. Ihre Wohnung op Ahlhausen besteht ebenfalls heute noch.

Nach den Mitteilungen der Lehrer Schlösser und Georges

Quelle: Nikolaus Gredt, Sagenschatz des Luxemburger Landes, Luxemburg 1883