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Die Wichtelcher zwischen Folkendingen und Ermsdorf

Man sagt, dass zwischen Ermsdorf und Folkendingen, eine Viertelstunde seitwärts an dem linken Ufer der weißen Ernz, auf dem sogenannten Schaar, ehemals Wichtelcher sich aufgehalten haben, weshalb diese Stelle auch noch heute op de Wîchtelheiser genannt wird. Vor einigen Jahren soll man noch im Boden Überreste von den Wohnungen der Erdmännlein gefunden haben. Dieselben waren aus einer Art Ziegelstein gebaut, klein und niedlich.

Vor vielen Jahren wurde ein Mädchen aus einem der umliegenden Dörfer Patin bei dem Kinde eines dieser Wichtelmännchen. Ohne seinen Eltern etwas zu sagen, begab es sich in die Zwergwohnungen, wurde freundlich empfangen und belustigte sich aufs beste. Auf einmal fürchtete es, die Nacht möchte wohl bald hereinbrechen und dann würden seine Eltern sich seinetwegen beunruhigen; es begab sich auf den Heimweg. Zu Hause angekommen, schien ihm alles verändert, und als es in seine väterliche Wohnung kam, begegnete ihm seine Mutter, welche ebenfalls ganz anders aussah als vorher. Ihre Haare waren weiß geworden, ihre Kräfte waren geschwunden. Kurz, das Mädchen erfuhr, dass es dreizehn Jahre fort gewesen und dass man es für tot gehalten.

Quelle: Nikolaus Gredt, Sagenschatz des Luxemburger Landes, Luxemburg 1883