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Die Wichtelcher zu Beggen

In der Nähe von Beggen wohnten die Wichtelcher auf einer Anhöhe, die noch heute den Namen op de Wîchtelcher trägt. Dort hielten sie sich in unterirdischen Wohnungen und Gängen auf, welche sich nach allen Seiten hin verzweigten und sogar bis zur Alzet führten. Oft sah man sie an der Alzet Wasser schöpfen und dann auf einmal unter dem Boden verschwinden. Auch zeigt man heute noch die sogenannten Wichtellöcher.

Ein Bauer aus Beggen, aus dem Krellenhause, fuhr eines Tages dort am Pfluge. Da hörte er Stimmen unter dem Boden, welche riefen: „Back mir einen Flauch! Mir auch! Mir auch einen Flauch!“ Der Mann rief scherzend: „Mir auch einen Flauch!“ und entfernte sich. Als er am anderen Tage zurückkehrte, lag ein kleines Brot auf dem Pfluge. Er nahm es mit nach Hause, und er und seine Familie aßen täglich davon, ohne dass das Brot abnahm, wie oft sie auch davon schnitten. Dem Bauer glückte von nun an alles und er wurde ein wohlhabender Mann. Auf dem Brot aber stand geschrieben, der Bauer dürfe niemand verraten, woher er das Brot habe. Eines Tages jedoch kam ein Bekannter ins Haus; man legte demselben, wie es damals Brauch war, das Brot vor, damit er davon esse. Als jener aber dankend ausschlug, entschlüpfte dem Bauer das unbesonnene Wort: „Iß nur davon, es ist Wichtelbrot!“ Von dem Augenblicke an nahm das Brot ab und es blieb bald nichts mehr davon übrig.

Nach der Erzählung anderer, die nichts von der Aufschrift auf dem Brote wissen, äußerte sich einst die Nachbarin: „Wie? Ihr verkauft eueren Weizen und euer Korn und doch habt ihr immer Brot!“ Da erzählte die Hausfrau von dem Brote, das wunderbarerweise nicht abnehme. Sobald sie aber das Geheimnis ausgeplaudert, ward das Brot wie andere Brote und bald war nichts mehr davon übrig.

Quelle: Nikolaus Gredt, Sagenschatz des Luxemburger Landes, Luxemburg 1883