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Die Wäscherinnen am Scholtesbur zu Lintgen

Einst kam ein Dorfbewohner, von seinem Hunde begleitet, gegen Mitternacht an dem Scholtesbur zu Lintgen vorbei. Da sah er zwei Frauen am Brunnen unter tiefstem Schweigen ihre Waschbleuel mit gewaltigen Schlägen schwingen. Der Hund drückte sich lautlos und ängstlich an die Seite seines Herrn. Dieser warf einen flüchtigen Blick auf die Frauengestalten und eilte rasch vorüber; aber kaum hatte er einige Schritte gemacht, als er hinter sich gehen hörte und einen langen Schatten zu seinen Füßen bemerkte. Schnell wandte er sich um und sah, dass eine der Frauen hinter ihm herkam; die andere folgte in einiger Entfernung. „Was wollt ihr?“ rief er den Frauen zu, erhielt aber keine Antwort; da er sich jedoch nicht angegriffen sah, auch keinen Vorwand hatte, selbst anzugreifen, so ließ er die Frauen ruhig gewähren. Diese folgten ihm immer dicht auf den Fersen nach. Der Mann hielt den Stock, den er in der Hand trug, bereit, um bei der geringsten Berührung loszuschlagen. Sein Hund sprang mit eingekniffenem Schwanze hinter ihm drein. So gelangte er bis zur Anhöhe. Dort wandte er sich wieder um, die Frauen waren verschwunden; am Scholtesbur aber sah er die diabolischen Gestalten in wildem Wirbel tanzen.

Zollbeamter J. Wolff

Quelle: Nikolaus Gredt, Sagenschatz des Luxemburger Landes, Luxemburg 1883