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Die gespensterhaften Rappen bei Rosport

A. Ein junger Schuster aus Rosport, der einst in später Nacht von Ralingen zurückkehrte, kam an die Rosporter Fähre, um übergeholt zu werden. Nachdem er „Hol über!“ gerufen, legte er seine Leisten neben sich und wartete die Ankunft des Fährmanns ab. Da erblickte er auf einmal, einen Steinwurf weit von sich entfernt, zwei prachtvolle Rappen, die auf dem Leinpfad einhertrappelten. Er hielt sie für die entlaufenen Pferde eines Mannes aus Ralingen und versuchte sie einzufangen. Doch wie erschrak er, als er nach ihren Zäumen griff und die Pferde ihre feurigen Mäuler öffneten; er ließ entsetzt los, und die Rosse stürzten sich, Feuer und Flammen speiend, in die Sauer, deren Wellen mit unheimlichem Zischen und Brausen über ihnen emporspritzten. Ob des ausgestandenen Schreckens hatte der junge Mann am anderen Morgen schneeweiße Haare.

B. Zwei Schmuggler aus Rosport lagen einst des Nachts in der Nähe des eine halbe Viertelstunde oberhalb der Rosporter Fähre an dem linken Sauerufer gelegenen Eselsbornes und warteten den günstigen Augenblick ab, um die Zollwächter überlisten zu können. Mitternacht war nahe. Da entstand auf einmal unten in der Sauer ein furchtbares Getöse. Der eine schaute hin und sah im Rosporter Wehr zwei schwarze Rosse mit weit offenen, feurigen Mäulern unter furchtbarem Geplätscher der schäumenden und zischenden Wellen hin und her springen und schwimmen. Nur der eine von ihnen sah und hörte alles, der andere sah und hörte nichts.

Lehrer M. Bamberg zu Steinheim

Quelle: Nikolaus Gredt, Sagenschatz des Luxemburger Landes, Luxemburg 1883