SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Luxemburg

   
 

Karl der Große auf Helpert

Nach der Tradition soll Karl der Große an der Schwindsucht gelitten haben. Alle Ärzte gaben ihn auf. Jung und lebenslustig wie er war, betrübte dies ihn doch sehr. Ein ehrwürdiger Abt machte ihm guten Mut und riet ihm das Reisen und Jagen als Heilmittel an. Karl befolgte gern diesen Rat und begab sich gleich auf den Weg. Auf seinem Zug kam er auch ins Luxemburger Land in die Gegend von Helpert. Am 5. Mai stellte man hier eine Jagd an. Der Tag war schwül, und es dürstete den Kaiser, doch nirgends war eine labende Quelle. Endlich fand er am südlichen Abhang eines Berges einen Brunnen. Er trank nach Herzenslust. Die grüne Matte lud ihn zur Ruhe ein; von Müdigkeit überwältigt, schlief er ein. Doch neuerdings von Durst gequält, wachte er bald wieder auf; er trank abermals und schlief wieder ein; aber auch jetzt ließ ihn der Durst nicht lange ruhen, er trank zum dritten Mal und erhob sich, um zu seiner Begleitung zu reiten. Da empfand er eine merkliche Veränderung in seinem Körper, es war ihm so leicht und so wohl, dass er nicht daran zweifelte, er habe dem köstlichen Wasser seine Gesundheit zu verdanken. Freudig blies der Kaiser ins Horn und rief seine Leute um sich, teilte ihnen das glückliche Ereignis mit und nannte den Brunnen „Gesundbrunnen“, den Berg aber „Berg des Heils, Heilberg, mons salutis“. Aus Dankbarkeit gegen Gott ließ er dort eine Kirche bauen zu Ehren des hl. Johannes des Täufers. Die Kirche ist zwar jetzt verfallen, aber ein Jahrmarkt, der bis 1832 hier gehalten wurde, erinnerte an die Genesung des Kaisers. Im besagten Jahre wurde dieser Markt in das nah dabei liegende Finstertal verlegt.

Klein, Pfarrer; nach einem unauffindbaren Manuskript der archäol. Gesellschaft

Quelle: Nikolaus Gredt, Sagenschatz des Luxemburger Landes, Luxemburg 1883