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Die vergrabene Glocke zu Rimmel

Während der großen französischen Revolution und des Einfalls der Franzosen in unser Land vergruben die Arsdorfer ihre Glocken in Rimmel, einem Arsdorf nah gelegenen Wiesengrunde, wo früher das durch die Pest heimgesuchte und verheerte Dörfchen Rimmelscheid gestanden. Als die Arsdorfer später die Glocken wieder ausgruben, soll, nach Aussage der Leute, eine derselben nicht wieder aufgefunden worden sein. Sie sei, heißt es, tief in den Boden versunken, doch höre man sie zuweilen noch läuten. Die Hirtenknaben, welche das Vieh in Rimmel auf die Weide trieben, sollen zu gewissen Zeiten dort traurig hallende Glockentöne vernommen haben, welche tief aus der Erde heraufzukommen schienen. Dumpf und klagend klang das Getön; es hieß, die versunkene Glocke läute zur Seelenruhe der hier beerdigten Bewohner von Rimmelscheid oder sie weine tief unter der Erde, weil es ihr nicht vergönnt sei, neben ihren Schwestern im Turme zu hangen und in deren feierliches Geläute miteinzustimmen.

H.A. Reuland

Quelle: Nikolaus Gredt, Sagenschatz des Luxemburger Landes, Luxemburg 1883