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Der verhexte Wasservogel auf dem Fischteich im Geisbusch

Im sogenannten Geisbusch zwischen Alzingen und Itzig befand sich vor vielen Jahren ein großer Fischteich, auf welchem allabendlich ein unbekannter Vogel erschien, der sich besonders durch seinen abscheulichen, widerlichen Gesang bemerkbar machte. Niemand wagte sich in dessen Nähe, weil er die Fähigkeit besaß, alle ihm zu Gesicht kommenden Geschöpfe zu bezaubern, dieselben dann in den Teich zu führen, woselbst sie einen gewaltsamen Tod fanden.

Ein mutiger, berittener Jäger fasste endlich den Entschluss, das Nachtgespenst durch die Kugel aus dem Weg zu räumen. Zu diesem Zwecke ritt er eines Abends mit seiner Doppelflinte in den gespenstischen Wald und suchte, um desto sicherer sein Ziel zu erreichen, so nahe als möglich und vom Zaubervogel unbemerkt zu dem Teiche zu gelangen. Er hatte endlich die geeignete Stelle erreicht und feuerte auf den Vogel ab. Nach dem Schusse hörte man ein wimmerndes Geschrei, ein dumpfes Rauschen – und Reiter nebst Pferd waren vom Teichwasser verschlungen.

Nach diesem schrecklichen Ereignis gestaltete sich der Teich in ein wildes Moor um, das noch heute bemerkbar ist, jedoch vorsichtig gemieden wird, weil dort böse Geister hausen, die auf jedermanns Verderben ausgehen sollen.

Zollbeamter J. Wolff

Quelle: Nikolaus Gredt, Sagenschatz des Luxemburger Landes, Luxemburg 1883