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Das Böschgretchen bei Ellingen

In der alten Zeit, als noch Geister waren – heute gibt es keine Geister mehr; sie alle hat ja ein Papst gebannt – da war in Heßlingen, nahe an der Wolfsmühle, an der Stelle des Waldes, welche sich Wölfragrond (Wildfrauengrund) nennt, das Böschgretchen. Das war eine Frau, außergewöhnlich groß und schön, welche in diesen Sumpf verwünscht worden war. Nie gingen die Leute gerne an der Stelle vorbei, obwohl noch niemand ein Leid geschehen war. Einmal kam der alte Burgklees, wie ihn die Leute nannten, von Remich herauf. Ein beherzter Mann, wie er war, geht er an der Stelle vorbei. Kaum war er in die Nähe des Sumpfes gekommen, da wurde es ihm denn doch unheimlich. „Na“, sagt er, „du gehst voran, und wenn's auch der leibhaftige Teufel sein sollte“. Kaum hat er den Sumpf betreten, da hört er hinter sich rufen: „Klees, Klees, wart, wart!“ Er schaut um und sieht vor sich das Böschgretchen stehen. Ihm war aller Mut weg; er wollte laufen, aber da sinkt der Boden unter ihm. Zum Glück war er noch nicht weit voran. Er springt auf die Seite und rettet sich. Atemlos und bleich wie ein Tuch kommt er an und bei der Haustür fällt er zusammen.

Der Geist aber ging noch lange Jahre um und viele haben ihn gesehen. Einmal hielt der Hirt mit der Herde bei Heßlingen. Der Hund war wie rasend. Immer bis zum Wald und wieder zurück lief er, und geschrieen hat er, dass noch Leute herbeieilten. Sie folgen dem Hund und finden in dem Wölfragrond das Böschgretchen tot daliegen, bis an die Knie im Schlamm. Die Leute ziehen die Leiche heraus, bringen sie nach Ellingen und begraben sie vorne auf dem Kirchhof. Später wurde die Mauer gebaut und so befindet sich das Grab in den Fundamenten der Mauer.

Alle sieben Jahre einmal macht die Tote wieder nachts ihren Gang nach dem Sterbeplatz, und alte Leute haben in stürmischen Nächten sie oft jammern gehört.

Quelle: Nikolaus Gredt, Sagenschatz des Luxemburger Landes, Luxemburg 1883