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DER RIESE ORTLER In uralter Zeit lebte und herrschte in den wilden Schluchten und Tälern der rätischen Alpen ein Riesengeschlecht, das in unzugänglichen Felsenhöhlen hauste und sich vom Fleische des wilden Auerochsen und vom Mark des Bären nährte. Unter diesen Riesen wuchs im Vinschgau ein gar stattlicher Knabe namens Ortler auf, der schon an Länge die höchsten Waldbäume überragte. Wo ihn diese im Gehen hinderten, riß er sie wie Grashalme aus oder trat sie wie ein Schilfrohr unter seine Füße. Als der Riese Ortler immer höher und höher wuchs, so daß er sogar die Häupter der umliegenden Berge überragte, schwoll in ihm ein solcher Hochmut, daß er die Welt unter sich mit verächtlichen Blicken musterte. Da stieg der Stilfser Zwerg aus dem Tal herauf, kletterte frech über Beine, Leib und Schultern auf das Haupt des Riesen, schlug dort übermütig einen Purzelbaum und sang munter drauflos:
Quelle: Winkler Robert, Volkssagen aus dem Vinschgau. Bozen 1968, S. 149 f. |