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DIE "KATZENLEITER" BEI AUER

Die Bezeichnung "Katzenleiter" findet man in Südtirol gar häufig, und zwar bezeichnet man damit einen sehr steilen Fußsteig durch das Gebirge. Eine solche "Katzenleiter" gibt es auch bei Auer, wo sich ein schmales Steiglein durch die über dem Dorf aufragenden Porphyrfelsen hinaufwindet.

Dort finden sich im Felsen Vertiefungen, die sehr dem Hufabdruck eines Maultieres ähneln. Und es sind auch Hufspuren eines Maultieres - weiß man in Auer zu erzählen - denn hier kamen einst der hl. Josef und die Muttergottes mit dem kleinen lesuskinde vorbei, als sie vor dem schrecklichen König Herodes nach Ägypten fliehen mußten. Und weil der Weg hier so steil war, sanken die Hufe des Reittieres unter der süßen Last tief in den harten Felsen ein.

Nur wenige Schritte von dieser Stelle entfernt findet sich im Felsen eine kleine Vertiefung, in welcher das Regenwasser oft wochenlang nicht vertrocknet. In diesem Felsentröglein hat, wie das die frommen Auerer zu berichten wissen, damals die hl. Jungfrau die Windeln für das Jesuskind gewaschen.

Quelle: Menghin, Alois, Aus dem deutschen Südtirol. Mythen, Sagen, Legenden und Schwänke, Sitten und Gebräuche, Meinungen, Sprüche, Redensarten etc. des Volkes an der deutschen Sprachgrenze. Meran 1884. S. 88 f.