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Die vergifteten Bergknappen

In alter Zeit wimmelte der Palaier Berg von Bergknappen. Sie waren von weit hergekommen, sie gruben nach Gold und hausten bei den "Canopi", dem ältesten Bau des Dorfes. Es war ein seltsames, geheimnisumwittertes Volk, das eigenartige Lieder sang.

Eines schönen Morgens trafen die Boten des Bischofs von Trient ein. Sie bliesen die Trompeten und luden die Knappen zu einem Mahle im Schlosse der Stadt ein. Zwölf eingang [sic] bewachen sollte.

Die Knappen ließen ihren hinkenden (ciotät) Kameraden zurück, der den Stolleneingang bewaschen [bewachen] sollte.

In der Nacht erschien dem Hinkenden im Traume der Geist eines Knappen. "Nimm deinen Esel" - sagte er - "und zieh nach Italien." Der Hinkende holte den Esel, belud ihn mit Gold, deckte den Eingang zum Bergwerksstollen von Valcava mit einem großen Rasenstück ("bosn", tirol. "Wosn") zu und zog von dannen. Er ward nie mehr gesehen und auch der Bergwerksstollen wurde nie mehr gefunden.

Später erfuhr man, daß der Bischof alle Bergknappen vergiftet hatte, weil sie "außerhalb des Schoßes der Kirche waren."

Das Geheimnis ist geblieben und niemand ist imstande, es zu lüften: steht man an der großen Tür der St. Magdalena Kirche und blickt man von dort aus durch die kleine Tür, bemerkt man die auf dem Stockerberge verborgene Grube ("Grua"). Aber die genaue Zeit und das genaue Licht für diese Beobachtung konnte man noch nicht erraten.

Die alte Maria erzählte, sie habe den Eingang zur Grube ("Grua") auf dem Grave-Bergrücken bemerkt, als sie auf der Schafbrücke stand.

Quelle: Das Tal der Mòcheni, Aldo Gorfer, Calliano 1973, S. 43