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DER SCHATZ AUF PRETZENBERG

Im alten Schloß Pretzenberg, jetzt beim Springer genannt, in Welschnofen, führt der Keller tief in den Felsen hinein. Da liegt ein Schatz, neun goldene Kegel und eine goldene Kugel. Ein Knecht grub einst heimlich nach und stieß auf einen Korb voll frischen Espenlaubes. Da ließ er unwillig das Graben sein und klagte dem geistlichen Herrn, wie er zum Narren gehalten worden sei. Dieser aber sagte, es sei geblendetes Gold gewesen und er hätte den Schatz mit etwas Geweihtem bannen sollen.

Eine Magd fand im selben Keller an einem Sonntag eine Benne voll Espenlaub. Sie kannte sich nicht aus mit dem Zeug und steckte wundershalber eine Handvoll solchen Laubes in den Sack. Wie sie hinaufkam und in den Sack griff, war das Laub zu Gold geworden. Hätte sie auf die Benne etwas Geweihtes geworfen, so wäre der ganze Schatz ihr gewesen. So aber fand sie nachher von der Benne keine Spur mehr im Keller.

Quelle: Heyl, Johann Adolf, Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol, Brixen 1897, S. 385