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Vom Klopfgeist zu Villnöß. Beim Ganner zu Villnöß im Keller haust ein Klopfgeist. Wenn der klopft, so stirbt jemand im Haus oder es kommt Hagelschauer und zerschlägt das Getreide oder der Bauer erleidet am Viehstand einen Schaden - irgendein Unglück ist noch jedes Mal geschehen, wenn sich der Geist im Keller hören ließ. Einmal sind die beiden Gannergitschen, Madlen zwischen 10 und 12 Jahren, allein zu Haus und sind draußen in der Kuchel recht tollwitzig, wissen nicht, was sie alles treiben sollen in ihrem Übermut. "Jetzt lassen wir den Binder klopfen im Keller", sagt die eine. Zuerst erschrickt die andere wohl, dann ist auch sie mit dem Streich einverstanden und ruft: "Binder, poch, poch!" Richtig fängt es im Keller unten ganz leise zu klopfen an. "Besser, Binder, besser!" Die Mädchen stürzen aus der Küche in die Stube und verriegeln die Türe. Hier glauben sie sich sicher. Und es pocht immer weiter, hämmert auf der Kellerstiege, klappert an der Kellertür. Nun pochts draußen in der Lab, immer stärker, immer lauter. "Hör auf, Binder...", will die eine rufen und flüstert die Worte nur in ihrer Angst. "Heiliger Gott, jetzt kommt er an die Stubentür!" Nun klopfts aber auch draußen am Haus. "Macht's auf! - Lene, Rosl! - Macht's auf!" Das ist der Bauer, der Vater. Der findet die beiden Mädchen käsweiß im Gesicht und außer sich vor Angst und Schrecken. Sind wochenlang im Bett gelegen beide, hat keine mehr gerufen: "Binder, poch, poch!"
"Binder, poch, poch!" Mit wonnigem Gruseln fühlten sie es klopfen. Und die frechen Gesellen merkten gar bald wie es um die Schwestern stand, und klopften gemeinsam ans Kammerfensterlein beim Gannerbauern. "Binder, poch, poch!" Die Burschen kamen wieder, die Maiden hatten sich das Fürchten längst
schon abgewöhnt.
Binder, poch, poch! "Au weh!" und "och, och!" schrie die eine. "Du saugrober Zoch!" klagte die andere. "O wäre es noch wie früher", seufzten sie oft, "da
saß der Binder bloß im Keller, jetzt liegt er in der Schlafkammer." Quelle: Laurins Rosengarten, Sagen aus den Dolomiten,
Franz S. Weber, Bozen 1914, S. 59-61. |