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VOM SCHWARZKÜNSTLER OBERLEITNER Der Oberleitner in Terenten hatte mit dem Teufel einen Bund geschlossen. Der "Bettel" (Teufel) brachte ihm eine Menge Bücher, aus welchen er vielerlei Zauber lernen konnte. Dafür aber mußte er dem Bösen seine Seele verschreiben. Der Oberleitner nahm die Sache nicht krumm, denn der Satan hatte ihm
versprochen, daß er ihn erst holen werde, wenn seine Kuh ein weißes
Kalb geworfen hätte. Da mag er lange warten, dachte der Mensch, denn
unsere Pusterer Kühe werfen ihr Lebtag kein weißes Kalb. Und
er tat die Hexenbücher in einen Kasten und lernte daraus wacker die
Schwarze Kunst. Der Bücher aber waren so viel da, daß nicht
einmal der Kurat so viele hatte. Einmal hatte er einen Knecht, der ihm drei Star Roggen stahl, um sie
zu verkaufen. Vorläufig, bis er zum Verkauf Gelegenheit bekäme,
vergrub er das Korn. Aber der Oberleitner wußte es ganz gut und
machte den Knecht gefroren. Dieser mußte also gerade dort festgebannt
stehen bleiben, wo er den Roggen unter hatte, bis der Zauberer herbeikam
und ihn erlöste. Einmal sagte er, in dem und dem Bauernhof, wo sie bald ein weißes
Kalb bekommen werden, solle man dafür sorgen, daß das Kalb
ja schnell in den großen Bach (die Rienz) geworfen werde. Der Bauer,
in dessen Stall wirklich ein weißes Kälblein zur Welt gebracht
worden war, befolgte den Auftrag des Zauberers nicht, doch stellte er
sich so, als ob das Kalb in den großen Bach gewandert wäre.
"Wie ist der Bach geronnen?" fragte der Oberleitner. "Triebe"
(trüb), antwortete der Bauer. "Du hast's nicht hineingeworfen",
rief der Zauberer zornig. Jetzt wagte es der Bauer nicht mehr, das Kalb
zu behalten; als er es nun wirklich in den Bach warf, rann das Wasser
blutigrot daher, und an den beiden Seiten des Flusses schwamm auf einmal
lauter Wild herum. Darnach bekehrte sich der Zauberer schnell, bevor der Teufel ihn zu holen
kam, und tat Buße. Seitdem aber richtete er seine Augen nie mehr
zum Himmel empor, sondern schaute immer nur auf den Boden, aus lauter
Reue. Quelle: Heyl, Johann Adolf, Volkssagen, Bräuche und Meinungen aus Tirol, Brixen 1897, S. 665 - 667 |