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8. Der Teufel in der Flasche. (Zakynthos.)

Einstmals machte sich der Teufel ganz klein und kroch in eine Flasche, in der Absicht, die Weiber zu täuschen. Er sprach zu sich selber: 'Die Frau, welche die Flasche öffnen wird am ersten Tage, will ich glücklich machen; die sie öffnen wird am zweiten, die will ich entehren; die sie öffnen wird am dritten, der will ich alles Böse zufügen, was es nur auf der Welt gibt.' Am dritten Tage öffnete eine Frau die Flasche; der Teufel fuhr als Rauch heraus, wandelte sich sofort in einen Balken und wollte ihr eben ein Leid anthun. Sie aber sah dies voraus und sagte rasch: 'Ich glaube dir's nicht, dass du in dieser kleinen Flasche warst, du, ein so grosser und mächtiger Herr.' Um ihr nun das zu beweisen, fuhr der Teufel wieder als Rauch in die Flasche hinein. Die Frau aber drückte geschwind den Stöpsel darauf und liess den Teufel nicht wieder heraus. Und daher sagt man, wenn man von der Schlauheit der Weiber redet, dass sie selbst den Teufel hinein in die Flasche stecken.

Quelle: Bernhard Schmidt, Griechische Märchen, Sagen und Volkslieder. Leipzig 1877. S. 140 - 141.
(Nachdruck: Hildesheim, New York, 1978)