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9. Die Rache der Lámnissa. (Ebendaher.)

Eine Lamnissa wollte einst auf die Jagd gehen. Aber kaum hatte sie ihre Behausung verlassen und ihren Weg angetreten, als sie durch einen Flintenschuss, den ein Mann, sobald er sie erblickte, auf sie abfeuerte, verwundet wurde. Sie konnte daher ihren Vorsatz nicht ausführen und kehrte nach Hause zurück. Ihr Zorn über jenen Mann aber war so gross, dass sie dem Menschengeschlecht grimmige Rache schwor. Sie liess sich sogleich einen Backofen bauen, der wenigstens funfzig Menschen in sich fassen konnte. Nachdem dann ihre Wunde geheilt war, ging sie wieder auf die Jagd. Auf dem Wege, den sie einschlug, traf sie gerade eine Menge Menschen an: sie wählte sich also die grössten und dicksten unter ihnen aus und trug sie in ihre Behausung. Hierauf reinigte sie mit ihren Brüsten den Backofen, machte Feuer an und briet alle ihre Gefangenen, zur Rache für die Unbill, die sie zuvor erlitten hatte.

Quelle: Bernhard Schmidt, Griechische Märchen, Sagen und Volkslieder. Leipzig 1877. S. 141.
(Nachdruck: Hildesheim, New York, 1978)