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10. Die Arachobiten und die Lámnia. (Aráchoba.)

In der Doúbri hauste einst eine Lamnia. Dieser mussten die Einwohner von Arachoba an jeder Kirchweih, die sie abhielten, einen der Ihrigen zum Frasse preisgeben, um unbelästigt von ihr das Fest begehen zu können. Sie pflegten daher immer vor Beginn der Feier das Los zu werfen, und wen dasselbe traf, der ward das Opfer der Lamnia. Als nun einst das Los auf einen jungen, stattlichen Pallikaren gefallen war, da sprach der Sohn des Ersten und Vornehmsten im Dorfe: 'Ich will hingehen und der Lamnia mich darbieten, um unser Dorf zu retten.' Man sagte nämlich, dass, wenn einmal die Lamnia den Sohn des Ersten im Dorfe bekommen hätte, sie nachher keinen anderen mehr fressen würde. Die Eltern des Jünglings weinten und härmten sich und suchten ihren Sohn von seinem Vorsatze abzubringen. Allein dieser hörte nicht auf sie, sondern zog aus und stieg hinein in die Doubri, um die Lamnia aufzufinden. Sobald diese nun des Jünglings ansichtig wurde, stürzte sie sich auf ihn, um ihn zu verschlingen; er aber versetzte ihr, noch ehe sie ihn packen konnte, rasch einen Stich mit seiner Lanze und tödtete sie. Hierauf begab er sich zur Kirchweih und erzählte den über seine Rettung Erstaunten das Geschehene. Seitdem hatte das Dorf Ruhe.

Quelle: Bernhard Schmidt, Griechische Märchen, Sagen und Volkslieder. Leipzig 1877. S. 141.
(Nachdruck: Hildesheim, New York, 1978)