Von schlanken Föhren rings umgeben,
In roter Heide hellem Strahl
Liegt bei der Abendlüfte Beben
Das liebliche Johannistal.
Ein Brünnlein rinnt in tiefem Grunde
Ein einzger Pfad zieht sich durchs Grün,
Goldgelber Ginster schmückt die Runde,
Und schnelle Schwalben sieht man ziehn.
Es ist so still an diesen Hügeln,
Kein Tierruf hebt sich weit und breit;
Der Fuhrmann lenkt mit losen Zügeln
Lautlos durch diese Einsamkeit.
Im Osten steigen bleiche Sterne,
Und wer die Heide geht entlang,
Hört träumrisch oft, wie aus der Ferne,
In Luft verwehnden Glockenklang.
Wo ragt die graue Kirchenmauer,
Der dieser dumpfe Klang entquillt,
Der wie ein Mahnruf tiefer Trauer
Das stille Tal unheimlich füllt ?
Wo haust die klagende Gemeine,
Die sich in diesem Raum verliert,
Wo aus vermorschtem Gruftgesteine
Sich Klang auf Klang stets neu gebiert ?
Doch keiner sagt, woher es klinget
Aus längst versunkner Glocke Mund;
Obs aus der Ferne zu dir dringet,
Ob unter dir aus tiefem Grund.
Dem Hirten, der von naher Weide
Der Herde folget unbewusst,
Dem müden Jäger in der Heide
Tönts wie in seiner eignen Brust.
Von dieser Kirche schweigt die Sage,
Uralter Zeiten frommer Gruß;
Der Jungfrau tönts wie Liebesklage,
Dem Manne wie ein ernstes Muß;
Dem Kinde klingts wie Lerchenreigen,
Dem Jüngling pocht es ungestüm,
Jedoch dem Greis beim tiefsten Schweigen
Der Christnacht nur, da lauscht er ihm.
Daß eine Kirche hier gestanden,
Vermelden Schrift und Sage nicht;
Kein Chronikbuch ist uns zu Handen,
Das aus so fernen Zeiten spricht.
Als unsre Väter Heiden waren,
Zog Sankt Suitbertus durch dies Land,
Drum wird noch heut nach tausend Jahren
Dies Tal am Heidenweg genannt.
Und durch die Seele bebt ein Schauer,
Und um die Hügel klagt die Nacht,
Ein Mahnen tief geheimer Trauer,
Die auf der Erde endlos wacht.
So fühlt das Herz in tiefem Beben,
Wenn dieser Glockenklang ersteht,
Daß jedes Leid und jedes Leben
Wie Lied und Lust zu Ende geht.

Alte Fotographie der versunkenen
Kapelle um 1890
Die Kirchturmspitze wurde vom Verschönerungsverein Süchteln
vor 1900 aufgestellt.
Es gab um das Jahr 800 in Süchteln ein schweres Erdbeben, das
mit dem Sandboden und Wasser der Region zur sog. 'Liquefaction' führen
hätte können, was den Kern der Sage laut Herrn Micha durchaus
glaubhaft erscheinen läßt.
Zugesandt von Uwe
Micha