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Der wilde Jäger.

Meklenburgische Jahrbücher 1840.

Oft bellen die Hunde der Luft in finsterer Nacht auf den Heiden, in Gehölzen, an Kreuzwegen. Der Landmann kennt ihren Führer, den Wod, und bedauert den Wanderer, der nun noch nicht die Heimat erreicht hat; denn oft ist Wod boshaft, seltener mildthätig. Nur wer mitten im Wege bleibt, dem thut der rauhe Jäger nichts; darum ruft er auch den Reisenden zu: "Midden in den Weg!"

Ein Bauer kam einstmals trunken in der Nacht von der Stadt. Sein Weg führte ihn durch einen Wald. Da hörte er die wilde Jagd und das Getümmel der Hunde und den Zuruf des Jägers in hoher Luft. "Midden in den Weg! midden in den Weg!" rief eine Stimme; allein er achtete ihrer nicht.

Plötzlich stürzte aus den Wolken nahe vor ihn hin ein langer Mann auf einem Schimmel. "Hast Kräfte", sprach er; "wir wollen uns beide versuchen. Hier die Kette! faße sie an! wer kann am stärksten ziehen?" - Der Bauer faßte beherzt die schwere Kette, und hoch auf schwang sich der wilde Jäger. Indes hatte jener sie um eine nahe Eiche geschlungen, und vergeblich zerrte der Jäger. "Hast gewis das Ende um die Eiche geschlungen?" fragte der herabsteigende Wod. "Nein", versetzte der Bauer, "sieh, so halt' ich es in meinen Händen." "Nun, so bist du mein in den Wolken", rief der Jäger und schwang sich empor. Der Bauer schürzte schnell die Kette wieder um die Eiche, und es gelang dem Wod nicht. "Hast doch die Kette um die Eiche geschlagen!" sprach der niederstürzende Wod. "Nein", erwiderte der Bauer, der sie eiligst losgewickelt hatte; "sieh, so halt' ich sie in meinen Händen." "Und wärst du schwerer als Blei", rief der wilde Jäger, "so mußt du hinauf zu mir in die Wolken." Blitzschnell ritt er aufwärts; aber der Bauer half sich auf die alte Weise. Die Hunde bellten, die Wagen rollten, die Rosse wieherten dort oben, die Eiche krachte an den Wurzeln und schien sich seitwärts zu drehen. Dem Bauern ward bange; aber die Eiche stand. "Hast brav gezogen", sprach der Jäger; "mein wurden schon viele Männer; aber du bist der erste, der mir widerstand. Ich werde dich belohnen." Laut gieng die Jagd an: "Hallo, holla! wohl! wohl!" Der Bauer schlich seines Wegs weiter. Da stürzte aus ungesehenen Höhen ein Hirsch ächzend vor ihn hin, und Wod war da, sprang vom weißen Rosse und zerlegte eiligst das Wild. "Blut sollst du haben", sprach er zum Bauern, 'und ein Hintertheil dazu. "Herr", sagte der Bauer, "siehe, dein Knecht hat nicht Eimer noch Topf." "Zieh den Stiefel aus!" rief Wod; er that's. "Nun wandere mit Blut und Fleisch zu Weib und Kind."

Die Angst erleichterte anfangs die Last; aber allmählich ward sie schwerer und schwerer; kaum vermochte er sie zu tragen. Mit krummem Rücken, von Schweiße triefend, erreichte er endlich seine Hütte, und siehe da, der Stiefel war voll Gold, und das Hinterstück ein lederner Beutel voll Silbergeld.

Quelle: Märchen und Sagen aus Hannover, Carl und Theodor Colshorn, Hannover 1854, Nr. 70, S. 192 - 193.