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DAS KOHLESSEN

In einem kleinen Wirtshause in Donnerschwee saß einst die Familie beim Kohlessen. Wie sie in der besten Arbeit waren, zog der junge Sohn ein Geklümp aus der Schüssel, hob es auf die Gabel und fragte: "Moder, wat is dat?" [Mutter, was ist das?] "Och wat", antwortete die Muter, "dat schall woll ´n bäten Anbrennßel wäsen; legg ´t bi Sid." [Ach, das ist wohl nur ein wenig Angebranntes; leg es zur Seite]. "Moder", fragte der Knabe weiter: "Anbrennßel hett dat ok Föte?" [Mutter, hat Angebranntes auch Füße?]. Da hatten sie einen Frosch mit in dem Kohl gekocht, und das war doch noch mehr, als wenn es im Sprichwort heißt: "´n Lus innen Kohl is bäter as gar kin Fett." [Eine Laus im Kohl ist besser als gar kein Fett]. Das Wirtshaus hieß fortan der Poggenkrug, bis es abbrannte und man das neue Haus den Grünenhof nannte.


Quelle: Ludwig Strackerjan: Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg. 2. erweiterte Auflage. Hg.: Karl Willoh. Oldenburg 1909, S. 244.
Übersetzung: E. Bengen
Die Sagen wurde von
Etta Bengen gesammelt und für SAGEN.at zur Verfügung gestellt.