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DIE ZWERGE VON HITZACKER

Es ist eine alte Sage, welche alte Leute von ihren Großeltern und diese wieder von ihren Vorfahren gehört haben, daß vor Zeiten in den Bergen um Hitzacker und besonders in dem Schloßberg kleine unterirdische Leute als Zwerge sich aufgehalten haben, welche sich zwar sehr selten sehen lassen, doch aber gegen die Einwohner dieses Ortes sehr guttätig sich erwiesen und mit ihrem Hausgerät bei Hochzeiten und andern dergleichen feierlichen Handlungen an die Hand gegangen.

Insonderheit wird von ihnen erzählt, daß sie den Bürgern, wenn sie brauen wollten, auf ihr Begehren eine Braupfanne geliehen und hätte man in solchen Fällen nur einen Dienstboten oder Kind nach dem Berge geschickt, welche unsichtbaren Einwohner im Namen dessen, so dieser Willfahrung bedürftig gewesen, einen Gruß vermeldet mit der Bitte, die gedachte Pfanne oder anders Hausgerät auf ein paar Tage zu leihen. Hierauf nun sei der Bote wieder zurückgegangen, und hat man des folgenden Morgens oder bald hernach das Verlangte am Berge stehend gefunden.

Wenn man nun solches gebraucht, hat man es wieder an die vorige Stelle gebracht, auch einen Krug frisch Bier mit einem frischen Brot darein gesetzt, nebst einer Danksagung im Namen des Hauswirts und der Wirtin. Die unterirdischen Zwerge haben dann solches geliehene Geschirr wieder in den Berg genommen, jedoch ganz unvermerkt, so daß kein Mensch erfahren können, wie es damit zugegangen.

Als einst mal ein Handwerksbursche vorübergegangen, hat er die Pfanne nebst Bier und Brot allda, ehe die Zwerge sie abgeholt, gefunden, und weil er vor Hunger und Durst ganz ermattet war, sich daran erquickt; hat sich dann aber sehr undankbar und unverschämt gezeigt und die Pfanne ganz verunreinigt, weshalb denn auch nach der Zeit man die Pfanne nicht mehr wie vormals gefunden, sondern bemerkt hat, daß den Bürgern vielmehr Schaden zugefügt und ihnen von den Unterirdischen das Bier in den Kellern ausgeschöpft wurde. Sonst sollen sie auch den ungetauften Kindern sehr nachgestanden sein und dieselben zum öfteren vertauscht haben. So berichtet man von dem lange verstorbenen Bürgermeister Johann Schultze, man habe, als seine Mutter mit ihm in den Wochen gelegen, wahrgenommen, daß in der Nacht ein ganzes Heer kleiner Leute ins Haus gekommen, sich um den Feuerherd gesetzt, Feuer angeschlagen und angezündet, und dabei ein kleines Kindlein gewärmt, welches sie gedacht umzutauschen. Als aber die Mutter darüber aufgewacht und eben das Kraut Orant in der Wiegen gehabt, hätten sie deren Kind nicht mit fortbringen können, sondern fallen lassen, wovon es auch ein Zeichen an dem einen Augbrauen behalten.

Quelle: Harrys, Herrman: Volkssagen, Märchen und Legenden Niedersachsens. 2 Abt. In 1 Bd. Celle 1840 zitiert in: Diederichs, Ulf u. Christa Hinze: Sagen aus Niedersachsen. Düsseldorf/Köln 1977, S.220-222.
Die Sagen der Lüneburger Heide wurden von
Etta Bengen gesammelt und für SAGEN.at zur Verfügung gestellt.
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