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TILL EULENSPIEGEL IM KARREN

Kurz danach kam Eulenspiegel wieder und ging in ein Dorf bei Celle und wartete darauf, wann der Herzog wieder gen Celle wollte reiten. Da ging ein Bauer zum Acker. Und Eulenspiegel hatte ein anderes Pferd bekommen und einen Sturzkarren und fuhr zu diesem Bauern, der da seinen Acker pflügte, und fragte ihn, wem der Acker wäre. Der Bauer sprach: "Er ist mein, ich habe ihn ererbt." Da fragte Eulenspiegel, was er ihm geben sollte für einen Schüttkarren voll Erde von dem Acker. Der Bauer sprach: "Einen Schilling nehm' ich dafür." Eulenspiegel gab ihm einen Schilling und warf den Karren voll erde von dem Acker und kroch hinein und fuhr vor die Burg zu Celle an der Aller.

Als nun der Herzog geritten kam, da ward er Eulenspiegel gewahr, daß er auf dem Karren saß und saß bis an die Schultern in der Erde. Da sprach der Herzog: "Eulenspiegel, ich hatte dir mein Land verboten; wenn ich dich darin fände, so wollte ich dich hängen lassen." Eulenspiegel sprach: "Gnädiger Herr, ich bin nicht in eurem Land, ich sitze in meinem Land, das ich gekauft habe für einen Schilling; und ich kaufte es von einem Bauern, der sagte mir, es wäre sein Erbteil." Der Herzog sprach: "Fahr' hin mit deinem Erdreich aus meinem Erdreich und komm' nicht wieder, sonst werde ich dich mit Pferd und mit Karren erhängen lassen." Also kam Eulenspiegel eilig aus dem Karren und sprang auf das Pferd und ritt aus dem Land und ließ den Karren vor der Burg stehen. Also liegt noch Eulenspiegels Erdreich vor der Brücke.

Quelle: Lönsbund: Celler Sagen aus Stadt und Land. Celle 1934, S.78.
Die Sagen der Lüneburger Heide wurden von
Etta Bengen gesammelt und für SAGEN.at zur Verfügung gestellt.
© der Zusammenstellung: Etta Bengen