SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Deutschland >> Niedersachsen

   
 

TILL EULENSPIEGEL IM CELLER LAND

In dem Land Lüneburg zu Celle, da verübte Eulenspiegel eine abenteuerliche Büberei. Darum verbot ihm der Herzog von Lüneburg das Land, und wenn er darin gefunden wurde, so sollte man ihn fangen, und er wollte ihn dann hängen lassen.

Als begab es sich zu einer Zeit, daß Eulenspiegel wollte reisen durch das Land Lüneburg. Da begegnete ihm der Herzog; und da Eulenspiegel sah, daß es der Herzog war, da gedachte er: "Ist es nun der Herzog und wirst du flüchtig, so überholen sie dich mit ihren Gäulen und stechen dich vom Pferd herunter; dann kommt der Herzog mit Zorn und hängt dich an einen Baum und läßt dich da hängen." Und also bedachte er sich kurz, sprang von seinem Pferde und schnitt ihm den rasch den Bauch auf und schüttete die Eingeweide heraus und stellte sich in den Rumpf. Als nun der Herzog mit seinen Reitern an die Stelle geritten kam, wo Eulenspiegel in seines Pferdes Bauch stand, da sprachen die Diener zu dem Herzog: "Herr, sehet, hier steht Eulenspiegel in eines Pferdes Haut." da ritt der Fürst zu ihm und sprach: "Eulenspiegel, bist du da? Was tust du in dem Aas hier? Weißt du nicht, daß ich dir mein Land verboten habe? Und wenn ich dich darin fände, so wollte ich dich an einen Baum hängen lassen?" Da sprach Eulenspiegel: "O gnädiger Herr und Fürst, ich hoffe, ihr wollet mir in Gnaden das Leben schenken; ich habe doch nicht so Übles getan, das des Henkers wert wäre." Der Herzog sprach zu ihm: "Komm' her zu mir und sage mir doch deine Unschuld. Und was willst du doch damit sagen, daß du also in der Pferdehaut stehst?" Eulenspiegel kam hervor und antwortete: "Gnädiger und hochgeborener Fürst, ich besorge eure Ungnade und befürchte mich gar sehr. Nun habe ich all mein Lebtag gehört, daß ein jeglicher soll Frieden haben in seinen vier Pfählen, darum stellte ich mich in das Pferd." Da fing der Herzog an zu lachen und sprach: "Willst du auch nunmehr aus meinem Lande bleiben?" Eulenspiegel sprach: "Gnädiger Herr, wie Ew. fürstliche Gnaden will." Der Herzog ritt hinweg und sprach: "Bleib wie du bist.

Quelle: Lönsbund: Celler Sagen aus Stadt und Land. Celle 1934, S.77-78.
Die Sagen der Lüneburger Heide wurden von
Etta Bengen gesammelt und für SAGEN.at zur Verfügung gestellt.
© der Zusammenstellung: Etta Bengen