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DIE GESCHICHTE VON DER SPRUNGNADEL

In einem Dorfe bei Uelzen hörte ich von einem besinnlichen Manne die folgende Geschichte von der Sprungnadel. Er will sie - die Geschichte nämlich - von seinem Schwiegervater haben und der wieder von Frachtfuhrleuten aus Böhmen, welche früher durchreisten. - Die Sprungnadel wird von einigen Leuten in der Zunge, von anderen in der Maus der Hand getragen. Der Träger kann damit jedes Schloß öffnen. Hat er die Nadel in der Zunge, so bläst er ins Schlüsselloch, hat er sie in der Maus, so schlägt er gegen das Schloß. Woher bekommt man aber die Sprungnadel ? Sie ist nicht leicht zu finden und zudem nur von Eingeweihten. Der Vogel Bülow hat sie in seinem Neste. Er sucht sie im Moorboden, wo viele Hainbuchen stehen. Auch im Neste findet sie kein Mensch. Deshalb ist es unnütz, sie darin zu suchen. Man deckt vielmehr ein scharlachroten Laken rund um den Baum, auf welchem das Nest ist. Dann wirft der Vogel die Nadel auf das Laken, aber sie ist auch da noch schwer zu finden.

Quelle: Will-Erich Peukert: Niedersächsische Sagen II. Göttingen 1968, S.20-21.
Die Sagen der Lüneburger Heide wurden von
Etta Bengen gesammelt und für SAGEN.at zur Verfügung gestellt.
© der Zusammenstellung: Etta Bengen