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DER SNAKENKÖNIG

Es kam ein Reiter allein über eine weite Heide; da sah er in der Ferne etwas am Boden, das blitzte wie Gold. Er ritt dem Scheine zu, da war`s der Snakenkönig mit der Goldkrone, der sich sonnte. Der Reitersmann stieg ab und breitete seinen Mantel auf den Sand. Alsbald legte der Snakenkönig seine Krone darauf, kam und ging und trieb allerlei Tand und Männeken. Da raffte der Reiter schnell den Mantel mit der Krone zusammen, schwang sich in den Sattel und jagte fort, was das Pferd laufen konnte. Sogleich tat der Snakenkönig einen hellen Pfiff; da versammelten sich die anderen Snaken und setzten dem Reiter nach. Bald waren sie dem Pferde auf den Fersen und um den Reiter war es geschehen, wenn er nicht seinen Mantel hinter sich geworfen hätte. Dabei verweilten sich die Snaken; doch nicht lange, so waren sie dem Reitersmanne schon wieder ganz nahe. Nun wäre er gewiß verloren gewesen, denn sein Pferd war matt zum Stürzen, wenn er nicht an einen Bach gekommen und mit letzter Kraft hinüber gesetzt wäre. Nun mußten die Snaken zurück bleiben, denn man weiß wohl, daß kein giftiges Tier über solches Wasser kann.

Hat denn der Reiter die Krone verkauft? Nicht doch! Er schnitt ein Stück davon, doch immer nur soviel, daß es weniger als die Hälfte war. Den größeren Teil behielt er, den kleineren verkaufte er; so war der kleinere immer wieder gewachsen.

Quelle: Will-Erich Peukert: Niedersächsische Sagen IV. Göttingen 1968, S.223.
Die Sagen der Lüneburger Heide wurden von
Etta Bengen gesammelt und für SAGEN.at zur Verfügung gestellt.
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