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NICKEL LIST

Ungefähr in der Mitte zwischen Bevensen und Secklendorf durchschneidet die Landstraße ein ausgedehntes Tal, die Lange Grund, welche in der sagenhaften Geschichte des Nickel List, des berüchtigten Kirchenräubers von Lüneburg, eine Rolle spielt. Hier wollte dieser Räuber das Geheimnis des Schatzgrabens erlernen. In einer schwülen Sommernacht steigt er mit seinen Gefährten in das Tal hinab. Sie suchen trockene Heide und harzige Reiser und entzünden ein Feuer. Die Mitternacht naht, und die Schatzgräberbeginnen ihre Beschwörung, leise, unverständlöiche worte murmelnd. In der Ferne antwortet das dumpfe Rollen eines aufsteigenden Gewitters. Es ist zwölf Uhr. Nickel List zieht sein Messer, tötet eine Taube und wirft ihr Herz in die zischende Flamme, dann tut er dasselbe mit dem Herz eines Lammes. In wahnsinniger Verzückung tanzen die Schatzgräber um das Feuer. Ihre Beschwäörungsformeln klingen wie ein wildes Heulen. Nickel List schwingt das blutige Messer und will einem unschuldigen Kinde das Herz aus der Brust reißen. Da zuckt ein greller Blitz hernieder, und ein fürchterlicher Donnerschlag rollt durch das langgestreckte Tal. Die Räuber sinken betäubt zu Boden. Das Kind wird gerettet durch die Hilfe des Himmels.

Quelle: Will-Erich Peukert: Niedersächsische Sagen V. Göttingen 1968, S.284.
Die Sagen der Lüneburger Heide wurden von
Etta Bengen gesammelt und für SAGEN.at zur Verfügung gestellt.
© der Zusammenstellung: Etta Bengen