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DIE LÜNEBURGER SALZSAU

Auf dem Rathause in Lüneburg werden in einem mit Glasscheiben versehenen Kasten Bein- und Schulterknochen eines Schweines aufbewhrt. Die wandernden Handwerker, die nach Lüneburg kamen, versäumten niemals, diesen "Schinken der Salzsau" sich zeigen zu lassen; denn er ist das Wahrzeichen der Stadt, und wer davon nicht zu berichten weiß, dem glaubt keiner, daß er in Lüneburg gewesen sei. Man erzählt davon folgende Sage:

Vor mehr als 800 Jahren war um Lüneburg noch eitel Wald und Morast. Da geschah es, daß Jäger einer wildsau nachgingen; die wälzte sich so recht nach Herzenslust im Schlamm und legte sich dann auf eine trockenen Stelle und schlief. Wie nun die Sonne warm auf die Sau schien, da bildete sich an den schwarzbraunen Borsten eine gar schöne weiße Kruste. Das nahm die Jäger wunder, und sie töteten die Sau. Und da fanden sie, daß es gutes, reines Salz war, das sich an den Borsten der Sau kristallisiert hatte. Dadurch wurden sie veranlaßt, dem Wasser nachzugraben, und sie fanden in der Tiefe die Stelle, wo aus Fels und rotem Ton die Salzquellen hervorsprudelten, die den Ruhm und den Reichtum der Stadt begründeten.

So wurde das ergiebige und berühmte Salzwerk zu Lüneburg entdeckt, und es wurde auch von selbiger Sau ein Schinken - nicht etwa gegessen, sondern - zum ewigen Andenken im Rathause zu Lüneburg aufbewahrt in einem gläsernen Kasten.

Quelle: Karl Henninger u. Johann von Harten: Niedersachsens Sagenborn, Band 2, Hildesheim 1987, S.86-87. Nach Ludwig Bechstein und Heinrich Steinvorth.
Die Sagen der Lüneburger Heide wurden von
Etta Bengen gesammelt und für SAGEN.at zur Verfügung gestellt.
© der Zusammenstellung: Etta Bengen