SAGEN.at >> Traditionelle Sagen >> Deutschland >> Niedersachsen

   
 

DER LINDWURM BEI KIRCHWEYE

Vor langen Jahren hauste in der Gegend von Kirchweye ein greulicher Drache, der den Leuten viel Schaden zufügte. Mancher Held büßte im Kampfe mit ihm sein Leben ein. Einst wollte ein Ritter, namens Weyhe, den Versuch wagen, das Untier zu töten. Er rüstete sich zu dem gefährlichen Unternehmen durch ein frommes Gebet und gelobt, zur Ehre Gottes dort ein Kirchlein zu erbauen, wo es ihm gelingen würde, den Wurm zu besiegen. Er fand ihn im Allerbruche, der dort war, wo heute der Bahnhof Westerweye ist. Als der Lindwurm des Ritters gewahr wurde, öffnete er den feuerspeienden Rachen und peitschte mit seinem stachelbewehrten Schwanz den Schlamm, daß er hoch aufspritzte. Furchtlos sprengte der Ritter ihm entgegen. Nach kurzem Kampfe konnte er ihm den Speer durch die Weichen jagen und mit seinem guten Schwerte den Kopf spalten.

Der Ritter sagte dem lieben Gott Lob und Dank für seinen gnädigen Beistand und ging unverzüglich daran, sein Gelübde zu erfüllen. Da aber der Allerbruch für den Bau einer Kirche ungeeignet war, wählte er einen günstigeren Platz. Das Gotteshaus erhielt den Namen Kirchweyhe, d.i. die von dem Ritter Weyhe erbaute Kirche.

Zur Ehre Gottes ließ der Ritter von kunstgeübter Hand ein schönes Altarbild schnitzen, das ihn im Kampfe mit dem Drachen zeigte und das die Andächtigen Jahrhunderte lang an die Erlösung von einer furchtbaren Plage erinnerte. Das Altarbild existiert heute leider nicht mehr.

Quelle: Will-Erich Peukert: Niedersächsische Sagen IV. Göttingen 1968, S.233.
Die Sagen der Lüneburger Heide wurden von
Etta Bengen gesammelt und für SAGEN.at zur Verfügung gestellt.
© der Zusammenstellung: Etta Bengen